Das syrische Islamisten-Regime verübt Massaker an den Drusen in der Region Suwaida. Doch in Deutschland verkennen Politik und Medien nach wie vor das Wesen des Islamismus, der auf die Vernichtung der „Ungläubigen“ abzielt – obwohl wir längst selbst betroffen sind. Lesen Sie hier, warum Israel den Drusen zu Hilfe kommt.
Einmal mehr tritt der verhängnisvolle Mix aus Unwissen, Fehleinschätzungen, Propaganda und Täter-Opfer-Umkehr in Sachen Nahost bei den „Qualitätsmedien“ eklatant zutage: Während der Islamistenführer Mohammed Al-Jolani in Suwaida hunderte Drusen abschlachten lässt, hält man ihn bei der ARD, beim Spiegel und vielen anderen deutschen Medien weiter für „gemäßigt“.
Im Ersten hat Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann die Standard-Erklärung dafür, warum Israels Militär eben in Damaskus zugeschlagen hat: Ministerpräsident Netanyahu stehe „innenpolitisch unter Druck“. Das stimmt zwar, ist aber nicht der Grund für Israels Eingreifen, wie wir noch sehen werden. In der Tagesschau sagt Ramin Sina ins Mikrofon: „Die Drusen pochen auf eine gewisse Autonomie“, weil sie der „stark sunnitisch geprägten Führung von Neu-Präsident Al-Shaara“ misstrauten. „Israels Führung versucht sich wiederum als Schutzmacht der Drusen zu inszenieren und nimmt sie als Vorwand, um Syrien weiter völkerrechtswidrig anzugreifen.“
Dschihadisten posieren in der Drusen-Stadt Suwaida.
An diesen Sätzen ist so gut wie alles falsch. Die Drusen flehen um Schutz vor dem sunnitisch-islamistischen Regime, weil sie einer ethnisch-religiösen Säuberung ausgesetzt sind, wie sie bereits Christen, Kurden und zuletzt im März dieses Jahres Alawiten widerfuhren. In Suwaida massakrieren Islamisten unter freundlicher Mithilfe der syrischen „Regierungstruppen“ hunderte Drusen. Sie filmen sich dabei, wie sie Männern die Oberlippenbärte abschneiden, um sie zu demütigen – der Bart gilt bei Drusen als Zeichen der Frömmigkeit.
Was Ramin Sina „stark sunnitisch geprägte Führung von Neu-Präsident Al-Shaara“ nennt, ist ein islamistisches Regime unter dem Kommando des Terroristen Abu Mohammad Al-Jolani, der sich einen Anzug angezogen hat und nunmehr Emir (Führer) Ahmed Hussein al-Sharaa nennt. Er gehörte ISIS/Daesh, dann Al-Qaida, dann Al-Nusra, später Jabhat Fatah al-Sham und schließlich der Hayat Tahrir al-Sham (HTS) an. Das US-Außenministerium listete Al-Jolani im Mai 2013 als „Specially Designated Global Terrorist“ und setzte vier Jahre später eine Belohnung in Höhe von 10 Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zu seiner Ergreifung führen.
Mohammad al-Jolani 2016 als Führer der Nusra-Front.
An Jolanis Ziel hat sich auch als Anzugträger nicht geändert: die Ausrottung der syrischen Minderheiten wie Drusen, Alawiten, Christen, Jesiden, Kurden, Armeniern, Tscherkessen, Assyrern und Mandäern. Von ihm eine „Stabilisierung des Landes“ zu erwarten, ist mehr als blauäugig. Wenn man ihm nicht in den Arm fällt, wird aus Syrien nichts anderes weitere islamische Terrorrepublik, die diesmal zu 100 Prozent von Sunniten regiert wird.
„Israels Führung versucht sich wiederum als Schutzmacht der Drusen zu inszenieren“, behauptet der ARD-Mann Sina, dabei sind alle Israelis auf der Seite der Drusen: Mehr als 150.000 Drusen leben im Land und sind als besonders loyale Bürger bekannt, die überproportional häufig in der Armee dienen. Die ethnisch-religiöse Minderheit, die einem Glauben anhängt, der nur untereinander tradiert wird, ist in Israel beliebt. Drusen heiraten nur innerhalb ihrer Gemeinschaft, haben eine starke historische Identität und das Zusammengehörigkeitsgefühl eines kleinen Volkes. 20.000 von ihnen eben auf den Golanhöhen. Sie sorgen sich um ihre Brüder in Syrien, die von den Islamisten als „Ungläubige“ betrachtet und bekämpft werden.
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