Als Liberaler ist mir die Debatte über das „vegane Schnitzel“ Wurst. Eigentlich. Es ist halt bezeichnend für das Europa-Parlament, dass es Zeit hat, sich mit so etwas zu beschäftigen – und für die übergriffige EU, ins Privatleben der Bürger hinein zu regieren. Wenn aber jemand einen geschmacklosen Batzen Tofu kauft, weil der als „veganes Schnitzel“ angepriesen wird, dann: tja, Pech. Dummheit ist zwar aus gutem Grund nicht strafbar, aber es ist auch okay, wenn sie ab und an doch mal bestraft wird. Survival of the Fittest und so.
Als jemand, der gerade 30 Kilo abgespeckt hat, bin ich der Politik dankbar, die Helmut Kohl (CDU) als Bundeskanzler eingeleitet hat. Die verpflichtet die Hersteller dazu, auf den Packungen anzugeben, was drin ist. So erfahre ich, wie viele Kalorien ich pro 100 Gramm zu mir nehme und wie sich diese Kalorien in Kohlenhydrate, besonders Zucker, Proteine und Vitamine aufteilen. Ein Service, auf den ich etwa in Alabama verzichten musste und der mir in Deutschland beim Abspecken von 30 Kilo durchaus geholfen hat. Diese verpflichtenden Angaben interessieren mich. Wenn aber der Tofu-Klumpen „veganes Schnitzel“ heißt, irritiert mich das nicht. Ich denke dann an die ehemalige Kollegin aus der SPD, selbst vegane Aktivistin, die mir geraten hat, viel Sauce zur veganen Tofu-Currywurst zu nehmen – weil es sonst nach nichts schmecken würde –, und viel Sauce kann ich mir beim Abspecken nicht leisten.
Damit wäre der Text zu Ende. Eigentlich. Doch bin ich nun mal auch ein ehemaliger Pressesprecher der Grünen. Als solcher verstehe ich, warum die Grünen derzeit ausrasten, weil ihnen die EU das „vegane Schnitzel“ verboten hat. Das Wort. Wohlgemerkt. Geschmacklose Tofu-Batzen mit ganz viel Sauce darf jeder und jede und jed*x weiterhin so viel essen, wie er, sie, es runterschlucken kann. Doch die Grünen wollen sich partout nicht sagen lassen, wie etwas heißen soll. Da ich das als ehemaliger grüner Pressesprecher verstehe, leider, sagt die Redaktion, ich solle erklären, warum das so ist. Wer schon drei Absätze durchgehalten, soll nicht seufzen, sondern weitermachen. Mir wäre jetzt ein Schnitzel auch lieber – so lange es nicht vegan ist.
Für den Unmut der Grünen gibt es einen simplen Grund: Es ist ihre eigene Waffe, in deren Mündungsrohr sie da blicken: Einen Namen zu verbieten, um eine Debatte zu lenken, ist ihr ureigenes Machtinstrument. Das Z-Wort, das P-Wort und eine ganze Reihe von N-Wörtern verdanken wir den Grünen. Aktuell ist es der „Zwangsbeitrag“ für das Staatsfernsehen, den so zu nennen, als rechtsextrem, rechtsradikal oder neuerdings – besonders hübsch – „ultrarechts“ gilt. Der Gedanke dahinter: Wer die Praxis der Finanzierung von ARD und ZDF nicht mehr benennen kann, kann sie auch nicht mehr ernsthaft in Frage stellen. Und die Öffentlich-Rechtlichen dürfen weiter ihren Grünfunk unhinterfragt senden. So die Idee. Da es zu viele Liberale und Konservative in den vergangenen Jahren an Rückgrat mangeln ließen – wohlgemerkt, nicht auf dem Teller –, sind die Grünen mit dieser Strategie weit gekommen. Das wollen sie sich nicht nehmen und schon gar nicht gegen sich anwenden lassen. Verständlich.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











