Die deutsche Bahn ist ein rollendes Desaster, eine Katastrophe auf Rädern, ein Staatsunternehmen so dermaßen schlecht, dass einem nur Vergleiche mit den Volkseigenen Betrieben der DDR und sowjetischen Industriekombinaten im hinteren Ural einfallen. Bei der Bahn klappt nichts, absolut gar nichts – und jedes Jahr wird es schlimmer.
Bahnsteige voll genervter Reisender, die auf ihre Züge warten, sind seit vielen Jahren ein gewohntes Bild.
Dass die Züge nie mehr pünktlich fahren, weiß jeder – aber das ist nur eine Katastrophe von vielen, wenn auch die schlimmste. Eine unvollständige Aufzählung bekannter Bahn-Kalamitäten liest sich so: Jeder dritte Zug im Fernverkehr ist verspätet, fünf Prozent fallen ganz aus, zwanzig Prozent haben irgendwelche Probleme. Fährt ein Zug also eine Stunde zu spät auf dem falschen Gleis ein, was der Bahn-App (dem DB-Navigator) bis zuletzt unbekannt war, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Probleme auftreten: Das Licht brennt nicht, diverse Toiletten sind defekt, wahlweise Bordküche, Heizung oder Klimaanlage sind ausgefallen, mehrere Türen lassen sich weder öffnen noch schließen, WLAN und Sitzplatzanzeige funktionieren nicht, einige Wagen kommen in der falschen Reihenfolge oder gar nicht. Und ausgerechnet der Wagen, in dem Sie reserviert haben, fehlt ganz, was Sie zu einem nervenaufreibenden Eilmarsch durch überfüllte Gänge, tätliche Treffen mit anderen Reisenden und stundenlangem Stehen vor der Toilette zwingt.
Aber selbst das ist noch nicht das Schlimmste, was die Bahn zu bieten hat, denn Bahnfahrer haben Glück, wenn auch auf Hauptstrecken überhaupt Züge verkehren. Nein, der tiefste Kreis der deutschen Bahnhölle betreten wird dann, wenn „Hochleistungskorridore“ wie Frankfurt-Mannheim, Berlin-Hamburg und Berlin-Hannover wegen Gleisbauarbeiten für Monate gesperrt sind und Busse den sogenannten „Schienenersatzverkehr“ übernehmen. Dann ist für Bahnfahrer die real existierende Apokalypse erreicht.
„Schienenersatzverkehr“ ist für Bahnreisende der ultimative Albtraum.
Man kann es nicht anders sagen: Bahnfahren in Deutschland ist zu einer Qual geworden. Zu einer Nervenprobe für alle, die Anschlusszüge, Termine und Flugzeuge erreichen müssen; zu einer Tortur für Pendler, die jeden Tag in überfüllten S-Bahnen mit verschlissenen Sitzen, verschissenen Toiletten und Graffiti-Schmierereien zur Arbeit fahren müssen; zu einer frustrierenden Fronarbeit für die Bahnmitarbeiter, die Jahr für Jahr mit miesem Material, aufsässigen Migranten und schlechter Bezahlung (Lokführer Monatsbrutto 3.500 Euro, Zugbegleiter Monatsbrutto 2.900 Euro) zurechtkommen müssen, während die Vorstände, die das ganze Desaster angerichtet haben, Millionenbezüge kassieren.
Aber siehe da: Jetzt soll alles anders werden, denn die Bahn hat einen neuen Chef und eine neue Strategie, die der Bundesverkehrsminister (ein CDU-Mann namens Patrick Schnieder) in dieser Woche vorgestellt hat.
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