Als die Welt noch in Ordnung war, trugen angehende Weinköniginnen Dirndl, hielten einen überdimensionierten Weinrömer in der Hand und tanzten Walzer. Ein bisschen Oberweite konnte auch nicht schaden, um von Honoratioren hofiert zu werden. Frei nach dem Vorbild des Generaldirektors Heinrich Haffenloher in „Kir Royal“, der sich bei Klatschreporter Baby Schimmerlos darüber beklagt, immer nur seine „langweiligen Direktoren, langweiligen Chemiker und meine totlangweilige Alte“ zu Gesicht zu bekommen. „Und einmal im Jahr die Weinkönigin von Kleinweilersheim, und die küsse ich dann. Das erlaubt mir meine Olle, gerade noch.“
Das übergriffige Abbusserln hat sich natürlich längst erledigt. Zumal bei der Wahl der „Deutschen Weinmajestät“ 2025/2026 – so die geschlechterneutrale Formulierung – auch ein gewisser Levin McKenzie im Finale stand. Der Winzer und Wein-Influencer aus Rheinhessen, dem größten deutschen Weinanbaugebiet südwestlich von Mainz, war einer von zwei Männern, die sich ursprünglich um den Titel beworben hatten, der erstmals Cis-Menschen offenstand. Außerdem standen vier Frauen zur Wahl: Emma Meinhardt (Saale-Unstrut), Anna Zenz (Mosel), Katja Simon (Hessische Bergstraße) und Lucia Winterhalter (Baden).
Die traditionell im historischen Saalbau in Neustadt an der Weinstraße veranstaltete Kür hatte dem Veranstalter, dem „Deutschen Weininstitut“ (DWI), einen schönen PR-Erfolg eingetragen. Einen deutschen Weinkönig, das hätte es noch nie gegeben in der Geschichte des seit 1949 ausgetragenen Wettbewerbs. Dass es mit Anna Zenz am Ende doch wieder eine Frau wurde, verschafft der Institution eine gewisse Atempause. Aber vielleicht überspringt man im nächsten Jahr die Männerstufe und kürt gleich die erste Wein-Transe des Jahres. Dann wäre auch die einstmals eher konservative deutsche Weinwirtschaft glücklich in der Welt des Gendermainstreaming angekommen.
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