Mit einem Wort hat Bundeskanzler Friedrich Merz am Mittwoch während der Regierungsbefragung im Bundestag praktisch das bisherige christliche Menschenbild der Union demontiert. Auf die Frage der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch, ob Merz es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin zu wählen, trotz ihrer Befürwortung von Abtreibung bis zur Geburt, antwortete Merz kurz und knapp: „Auf Ihre hier gestellte Frage ist meine ganz einfache Antwort: Ja.“
Bislang stellte die Union sich kategorisch gegen eine Legalisierung von Abtreibung – nach derzeitigem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts wäre das sogar verfassungswidrig. Brosius-Gersdorf könnte als Richterin wohl über eine erneute Austarierung der Rechtsprechung entscheiden und eine Abtreibungslegalisierung forcieren.
Dass Merz Bedenken aufgrund der Haltung von Brosius-Gersdorf so lapidar abtut, könnte noch für innerparteiliche Auseinandersetzungen sorgen. Das konnte man bereits im Plenarsaal beobachten: Während die Unions-Fraktion bei vorherigen Aussagen von Merz kräftig applaudierte, verweigerten viele seiner Fraktionsfreunde nach seiner Zustimmung zu Brosius-Gersdorf ihm den Applaus.
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