So richtig freuen konnte sich der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses über diesen Erfolg nicht. Zwar gelang Mike Johnson im dritten Anlauf die Verabschiedung des Überbrückungsbudgets, und die Gefahr eines Shutdowns der Amtsstuben kurz vor Weihnachten war gebannt, aber erneut sprach sich eine laute Minderheit seiner Fraktion gegen seine Pläne aus – wie schon in den beiden ersten Anläufen am Mittwoch und Donnerstag. Sämtliche Nein-Stimmen stammten aus dem Lager der Republikaner; am Ende stimmten mehr Demokraten als Republikaner für die Vorlage.
Für einen Speaker, der zu Beginn der nächsten Legislatur im Januar nur über eine hauchdünne Mehrheit im Repräsentantenhaus verfügen wird, ist das ein schlechtes Omen. Donald Trump, ab 20. Januar wieder US-Präsident, hatte zuvor gefordert, der Kongress solle die Schuldengrenze entweder abschaffen oder zumindest während seiner gesamten Amtszeit auf Eis legen. Die Demokraten, die noch bis Anfang Januar im Senat die Mehrheit stellen, sprachen sich unisono gegen diesen Wunsch aus, obwohl unter ihrem Parteifreund Joe Biden die Schuldengrenze im Frühjahr 2023 temporär ausgesetzt worden war.
Eine Last-Minute-Einigung gab es kurz vor Weihnachten auch bei VW. Der Vorstand des Volkswagen-Konzerns und die Betriebsräte der IG Metall einigten sich am Freitag, bis 2030 sozialverträglich gut 35.000 Stellen abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit vom Tisch, doch zwei Werke könnten neue Eigentümer erhalten. Bei diesem Kompromiss musste sich die IG Metall allerdings auf schmerzliche Zugeständnisse einlassen: In der Gläsernen Manufaktur in Leipzig sollen ab 2026 keine Autos mehr gebaut werden, das Werk soll eine andere Nutzung erhalten, wobei diese nicht zwangsläufig etwas mit Volkswagen zu tun haben muss. Auch der ebenfalls kleinere Standort Osnabrück bleibt vorerst erhalten. Dort steht nach wie vor ein Verkauf zur Diskussion. Die großen Werke in Emden und Zwickau bleiben erhalten.
Die Marke VW gilt im Konzern schon lange als Sanierungsfall. Die beiden Vertreter des Landes Niedersachsen, das mit 20 Prozent der Stimmrechte eine Sperrminorität besitzt, hielten stets ihre schützende Hand über die Mitarbeiter, was im Branchenvergleich weit überdurchschnittliche Löhne und Arbeitsplatz-Garantien zur Folge hatte. Die geringe Profitabilität konnte deshalb niemanden überraschen. Für Konzernchef Oliver Blume hat sich das harte Pokern ausgezahlt; am Ende gab auch das Land Niedersachsen sein Plazet. Ob der Kompromiss reichen wird, die Gewinnsituation bei VW nachhaltig zu verbessern, steht allerdings in den Sternen.
Die Volkswagen Vorzugs-Aktie reagierte auf die Veröffentlichung mit einem Plus von fast sechs Prozent und konnte sich somit zwischenzeitlich von der allgemein schwachen Stimmung abkoppeln. Am Ende blieb ein Plus von 1,7 Prozent über. Der Dax hatte sich am großen Verfallstag zum Ende einer schwachen Woche zuvor noch ein Stück weiter von der 20.000-Punkte-Marke entfernt. Nachdem er zunächst fast 1,6 Prozent verloren hatte, verabschiedete sich der deutsche Leitindex schließlich mit einem Minus von gut 0,4 Prozent auf 19.885 Zähler ins vierte Adventswochenende. Es war bereits sein sechster Verlusttag in Folge. Das Wochenminus für den Dax beträgt rund 2,6 Prozent. Ermutigende Daten zur Inflation in den USA und deutlich steigende Kurse an der Wall Street hatten am Nachmittag Entlastung gebracht. Der MDax gewann 0,5 Prozent auf 25.550 Punkte.
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