Mal sieht man sie staksig vor dem Reichstag tanzen, mal breitbackig in die Handykamera grinsen, ein andermal sich selbst applaudieren oder kryptische Statements zum Besten geben: Verena Hubertz, hauptberuflich eigentlich Bundesbauministerin in der schwarz-roten Koalition ist unter die Content-Creator gegangen und veröffentlicht nun regelmäßig kurze Videoclips auf TikTok. Dort verfolgen rund 5000 Follower das bunte Treiben der SPD-Politikerin.
Zu sehen bekommen sie dort allerhand – freilich nichts, das man von einem Mitglied des Bundeskabinetts erwarten würde. Ein Video zeigt die Ministerin etwa, wie sie etwas ungelenk tippelnd und tänzelnd, dafür aber umso fröhlicher in Richtung Bundestag wandelt. Ein anderer Clip zeigt Hubertz einfältig grinsend vor herbstlich verfärbten Bäumen im Berliner Regierungsviertel stehen und in eine imaginierte Ferne schauen. Dazu ist der Satz „I am an autumn“ zu lesen – zu Deutsch: „Ich bin ein Herbst“.
Was will sie ihrer Zielgruppe – wer auch immer das überhaupt sein soll – damit sagen? Man weiß es nicht. In einem ihrer längeren Videos nimmt sie ihre Zuschauer mit in einen typischen Arbeitstag als Ministerin. Wie der aussieht? Um Viertel vor sieben gibt es Kaffee mit Hafermilch aus einer Regenbogen-Tasse, um acht Uhr Frühstück und Häppchen im Finanzministerium, anschließend Kabinettssitzung im Kanzleramt, Butterbrezel im Büro, Regierungsbefragung im Bundestag und Abends Interview mit der Tagesschau – und ununterbrochen immer mit dabei: ein völlig monotones und etwas einfältig wirkendes Dauergrinsen. Hubertz schreibt, viele hätten sich einen solchen Einblick in ihren Arbeitsalltag gewünscht – ich für meinen Teil hätte auch gut und gerne darauf verzichten können.
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