Die in der modernen Geschichte vermutlich einmalige Aktion von US-Elite-Einheiten zur Entführung des Präsidenten von Venezuela ist ein weiterer Beleg für den Willen von US-Präsident Donald Trump, die Welt nachhaltig zu verändern. Dieser Anspruch steht nur scheinbar im Widerspruch zu seinem Versprechen an seine Wähler, dass sich die USA künftig nicht mehr militärisch in fernen Ländern engagieren werden.
Offenbar meint Trump damit lediglich den Verzicht auf den Einsatz von starken US-Streitkräften bei Waffengängen wie im Irak oder Afghanistan. Sehr wohl aber will er die Rolle der USA als globale Führungsmacht durchsetzen oder wiederherstellen. Da in der modernen globalisierten, interdependenten Welt Amerika überall wirtschaftliche und politische Interessen hat, will der Immobilienmogul im Weißen Haus durchaus offensive Weltpolitik betreiben.
Das gilt insbesondere für Lateinamerika, das in Washington seit der vor 200 Jahren formulierten Monroe-Doktrin mehr oder minder als legitime US-Einflusszone – gehässig formuliert „Hinterhof“ – angesehen wird. Trump will die weltweite Schwächung der USA und des Westens, die spätestens seit dem Amtsantritt Barack Obamas 2009 begonnen hat, in seiner zweiten Amtszeit endgültig stoppen und umkehren, möglichst pragmatisch und mit einem Gespür für Realpolitik. Die beispielsweise gebietet, eine offene Konfrontation mit den Großmächten Russland und China zu vermeiden.
So spektakulär und gelungen die Festnahme und Entführung Nicolás Maduros und seiner Frau aus Caracas auch war, ein Erfolg der amerikanischen Intervention ist noch lange nicht garantiert. Gewohnt großspurig verkündete Trump auf seiner Pressekonferenz nach dem Militäreinsatz, dass nun die USA in Zusammenarbeit mit lokalen Kräften die Verantwortung für den weiteren politischen Weg des Landes bis zur Normalisierung und wohl demokratischen Wahlen übernehmen werde.
„Wir werden das Land so lange regieren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können. Deshalb wollen wir nicht daran beteiligt sein, dass jemand anderes an die Macht kommt“, sagte Trump. Das allerdings scheint eine gewaltige Aufgabe zu sein, bei der sich noch erweisen wird, ob die politische Enthauptung der linksradikalen Diktatur Maduros ausreicht, das korrupt-sozialistische System zum Zusammenbruch zu bringen. Zunächst gab es keine Hinweise darauf, wie die USA Venezuelas weiteren Werdegang ohne den Einsatz von US-Truppen kontrollieren könnten.
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