Unter „Beschuss“: Wie Parteien eine Jungwählerin empfangen

vor 10 Monaten

Unter „Beschuss“: Wie Parteien eine Jungwählerin empfangen
Bildquelle: Tichys Einblick

Ich absolviere aktuell ein Praktikum bei Tichys Einblick. Niemand würde diesem Medium eine Nähe zur Partei „Die Linke“ unterstellen. Gerade deshalb will ich wissen: Wie reagiert die Linke, wenn ich spontan vorbeikomme? Ohne Termin, ohne Anmeldung, einfach nur mit ein paar Fragen über die Partei.

Die Antwort bekomme ich schneller, als ich gedacht hätte: Schon beim Klingeln an der Tür der Linken-Parteizentrale werde ich nicht freundlich, sondern von einer Frau mit einem genervten Blick und hektischen Gesten begrüßt, frei nach dem Motto: Warum klingelt mensch höflich, statt einfach hineinzuplatzen?

Als ich dann von ihr zu zwei Männern, die gerade Salat essen, auf einen Hof geführt werde, werde ich erneut freundlich begrüßt: „Wenn Sie von ‚Tichys Einblick‘ sind, warum sind Sie dann hier?“

Daraufhin erwidere ich, dass ich mit jedem sprechen würde, egal, welche politische Meinung er vertritt. Worauf die Rechtfertigung der Linken-Vertreter folgt: „Naja, mit Demokraten reden wir ja auch.“ Der Tonfall macht deutlich, dass nicht ich damit gemeint bin. Trotzdem darf ich mich zu den Pausemachern setzen.

Der Mann rechts von mir sieht aus, als könnte er auch an der Ecke einer Kneipe sitzen: rotes Polohemd, dichter Bart, gelb verfärbt, wo die Zigarette ihn berührt.

Schnell kommen wir auf das Thema KI zu sprechen: „Ein großer Fan von der KI von Tesla bin ich nicht. Die ist Fan von Adolf Hitler.“ Seinen Namen will er mir nicht nennen.

Beim Thema Corona meint derselbe Mann rechts von mir, dass die Maßnahmen grundsätzlich richtig, aber widersprüchlich gewesen seien. Doch die Rationalität, wie man in Corona-Zeiten bewiesen hat, sei angemessen gewesen.

Sein Kollege links, mit roten Rändern um die Augen, bedauert die Lage des Gesundheitssystems. „Die Missstände, die dort herrschen, sind seit Corona noch deutlicher geworden. Wir haben auch bei uns auf Arbeit Kollegen, die unter Long-Covid leiden. Wir müssen das Gesundheitssystem ausbauen.“ Der Kollege der Linken verrät mir zwar seinen Namen, betont jedoch ausdrücklich, dass er namentlich nicht genannt werden will. Wer will schon zugeben, dass er mit Tichys Einblick spricht? Und wenn auch nur mit einer Praktikantin.

Von den Linken führt mich mein Weg weiter zu einer Ex-Linken. Zu einer Frau, die die Partei verlassen und ihre eigene gegründet hat. Kontrastreicher könnte der Empfang nicht sein: Ich warte nur einen Moment, dann steht Hendrik Behnisch vor mir. Direkt freundlich, offen und unkompliziert.

Obwohl sie beim Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) an diesem Tag nur zu zweit sind, nimmt Behnisch sich Zeit für mich. Es wirkt so, als würde man sich schon ewig kennen. Als ich kurze Zeit später zur U-Bahn aufbreche, treffe ich ihn noch einmal, als er vor dem Eingang steht und noch eine raucht.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel