Wer im Internet nach „unsere Demokratie“ sucht, wird reichlich fündig: Fast drei Millionen Einträge, die meisten aus den 2020er Jahren und bezogen auf den Staat Bundesrepublik Deutschland. „Unsere Demokratie“ ist die beliebteste politische Gemeinschaftsformel, die über Parteigrenzen verbindet – sofern man zu dem Unser gehört. Sogenannte „Demokratiefeinde“ gehören nicht dazu.
Staatsrechtlich gesehen bilden die Staatsbürger eine Demokratie, im Falle der Bundesrepublik Deutschland also die Deutschen: „Unsere Demokratie“, verstanden als „die deutsche Demokratie“, umfasst alle deutschen Staatsbürger. Rein sprachlich muss das Demonstrativpronomen „unser“ aber diese inklusive Bedeutung nicht haben: Es verweist abstrakt auf eine Personengruppe, die aus dem Sprecher besteht sowie weiteren Personen, mindestens einer, maximal allen: In „unser letztes Telefongespräch“ sind es zwei Personen, im Ausspruch „Unser Leben ist endlich“ alle Menschen.
Diese semantische Unschärfe macht die Formel „unsere Demokratie“ politisch flexibel einsetzbar: Es können sich alle angesprochen fühlen, aber einige faktisch ausgegrenzt werden, weil sie „Feinde“ unserer Demokratie sind. Aber wer entscheidet, ob jemand Demokratiefeind ist? Unsere Demokraten.
Reformwille - Welche Opfer müssen wir für den Aufschwung bringen? | #unterdenlinden











