„Unsere größte Angst ist, dass das Regime bestehen bleibt“ – Ein Exil-Iraner im Gespräch

vor 4 Monaten

„Unsere größte Angst ist, dass das Regime bestehen bleibt“ – Ein Exil-Iraner im Gespräch
Bildquelle: Apollo News

Der Krieg im Iran ist für viele Menschen in Europa vor allem eine Nachricht aus der Ferne. Für einen mittlerweile in Österreich lebenden jungen Iraner ist er dagegen zutiefst persönlich. Seine Familie lebt weiterhin im Iran, sein Bruder arbeitet dort als Arzt. Unsere Gastautorin Mia Kilian hat für Apollo News mit ihm gesprochen. Der Kontakt entstand über die Ladies of Liberty Alliance. Zum Schutz der Familie unseres iranischen Gesprächspartners nennt die Redaktion seinen Namen nicht.

Was erzählen Ihnen Ihre Angehörigen aus dem Iran über die aktuelle Situation?Mein Bruder war im Iran, als die Bombardierungen begonnen haben. Er arbeitet dort als Arzt. Er hat mir später erzählt, dass im Krankenhaus, in dem er arbeitete, plötzlich große Unruhe ausbrach. Viele Menschen waren schockiert, niemand wusste genau, was gerade passierte. Als er nach Hause wollte, waren viele Straßen bereits gesperrt, die Situation war unübersichtlich.

Am Ende konnte ihn nur jemand mit einem Motorrad abholen, weil kaum noch Verkehr möglich war. Mein Bruder ist dann mit dem Auto Richtung Türkei gefahren und von dort weiter nach Wien geflogen. Er hat diese Entscheidung sehr schnell treffen müssen. „Ich habe mich gefragt: Bleibe ich hier oder gehe ich ins Ausland, solange ich noch kann?“, erzählte er. Dann hat er zu mir gesagt: „Es war schlimm – aber jetzt ist es richtig schlimm.“

Wie geht es dem Rest Ihrer Familie?Viele meiner Verwandten versuchen gerade, aus den großen Städten wegzukommen. Einige sind in den Norden des Landes gefahren, in Richtung Kaspisches Meer. Dort fühlen sie sich etwas sicherer als in den großen Städten. Aber insgesamt herrscht vor allem Unsicherheit. Viele Menschen hoffen einfach nur, dass sie irgendwo ein bisschen sicherer sind – auch wenn niemand wirklich weiß, wo das innerhalb der Landesgrenzen möglich ist.

Wie haben Sie persönlich auf die Angriffe reagiert?Ich war überrascht, aber nicht völlig schockiert. Es gab vorher viele Berichte, dass so etwas passieren könnte. Die Situation war unübersichtlich: Als ich Bilder gesehen habe, dass die Wohnung von Khamenei zerstört worden sein soll, hieß es erst, dass er in einen Bunker gebracht wurde. Später hieß es dann, dass er getötet worden ist. In diesem Moment hatte ich tatsächlich kurz das Gefühl, dass sich vielleicht etwas verändern könnte.

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