Die Berliner SPD zerlegt sich, langsam aber sicher. Zuerst traf es Franziska Giffey, die einstige Parteichefin und als Wirtschafts- und Energiesenatorin immer noch eines der Aushängeschilder der Hauptstadt-Sozen. Zuerst wurde sie nicht zur Spitzenkandidatin für die kommenden Landeswahlen zum Abgeordnetenhaus. Nun versagte ihr sogar der eigene Kreisverband einen sicheren Listenplatz. Um am 20. September 2026 wieder ins Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen, müsste sie ihren Direktwahlkreis in Rudow im südöstlichen Neukölln gewinnen. Aber das gelang ihr schon bei der letzten Wahl nicht, mit weitem Abstand. 16 Punkte lag sie hinter dem Gewinner. In neueren Umfragen erhielt die SPD zwischen zwölf und 16 Prozent. Viel zu verteilen bleibt da ohnehin nicht.
Die gemäßigt-bürgerliche Ikone der SPD mit adrett sitzenden Kostümen, aber kessem Mundwerk, könnte also bald Geschichte sein. Es trifft aber nicht Giffey alleine. Ihr Nachfolger als Bezirksbürgermeister war Martin Hikel, der nun auch die Ablehnung seiner eigenen Partei zu spüren bekam. Nur zwei von zwölf Bezirken in der Hauptstadt werden noch von SPD-Bürgermeistern regiert. Aber die Berlin-SPD scheint da eher Luft nach unten zu sehen. Mit Hikel vergrätzt sie den nächsten Realo-Kader, den sie derzeit aufzuweisen hat.
Man könnte jetzt meinen, der Bezirk Neukölln durchliefe derzeit eine tiefe Transformation und die SPD mit ihm. Neukölln ist zwiegespalten, einem migrantisch und studentisch geprägten Zentralteil steht eine eher konservative Peripherie gegenüber.
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