Udo Lindenberg findet es befremdlich, dass sein Lied „Bunte Republik Deutschland“ von 1989 bei seinen Konzerten keine Begeisterung mehr auslöst. Ein Anlass, sich das Stück im Kontext seiner Zeit und seiner Wirkung heute noch einmal näher anzusehen.
„Spätestens, wenn wir ‚Bunte Republik Deutschland‘ spielen, müssen auf einmal doch einige Leute kurz raus und neues Bier holen“, berichtete der 78-jährige Lindenberg in einem Interview mit dem Stern. „Das ist dann auch für mich und meine Band 'ne befremdende Nummer.“ Daran könne man erkennen, dass sich der politische Wind gedreht habe.
Nun wurde Lindenbergs Lied auf der gleichnamigen Langspielplatte am 13. Oktober 1989 veröffentlicht, also knapp vier Wochen vor dem Mauerfall. Eine Zeit des Umbruchs und der Hoffnung auf ein vereintes, diverses Deutschland. Lindenberg hatte wenige Jahre zuvor mit dem „Sonderzug nach Pankow“ und dem Austausch von Geschenken mit dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker („Honni“ bekam eine Lederjacke, Udo eine Schalmei) einiges Aufsehen erregt.
„Bunte Republik Deutschland“ war neben „Karl der Käfer“ von Gänsehaut der grünste Song, der je gespielt wurde. Zentrales Thema ist die Vision einer multikulturellen Gesellschaft, in der Unterschiede nicht trennen, sondern bereichern. Allerdings waren die in Deutschland lebenden Ausländer seinerzeit meist Arbeitsmigranten aus Italien, Spanien, Portugal, Jugoslawien, Griechenland und der Türkei, wobei der Islam noch keine Rolle spielte und Islamunterricht in den Schulen, Ramadan-Beleuchtung, Muezzin-Rufe in der Innenstadt, Glückwünsche von Politikern zum Fastenbrechen und Meldestellen für „antimuslimischen Rassismus“ als völlig undenkbar galten.
Erst recht Parallelgesellschaften, in denen von Steuergeldern alimentierte Großfamilien ohne jeglichen Kontakt zu Deutschen leben können, arabische TV-Sender verfolgen, in orientalischen Supermärkten einkaufen und Ärzte oder Rechtsanwälte aus dem eigenen Kulturkreis aufsuchen. Ganz zu schweigen von der schieren Masse, die den öffentlichen Raum beherrscht, weswegen sich heute nicht wenige Bürger fremd im eigenen Land fühlen.
Türkische und jugoslawische Arbeiterinnen in der Elektro-Fabrik DeTeWe, Berlin-Kreuzberg: Weitgehend störungsfreies Zusammenleben in den 80er Jahren.
Lindenberg, schon damals nur Hut und Knochen, wollte eine politische Botschaft überbringen, die uns heute nur allzu bekannt vorkommt: Migration ist super, bringt nur Vorteile, mischt unser spießiges Land auf und macht uns weltoffen. Hören wir mal rein:UhIst doch egal ob du 'n Italdieser bistOder 'n ItaljenerEgal, ob du 'n fescher Deutscher bistOder 'n Türke, 'n schönerEgal, ob Chinese, ob Irokese, ob Grieche oder ToreroEgal, ob japanischer Sumo-Spezi oder Fachmann bist für BoleroEgal, ob du 'n Aficooler bistOder 'n AfrikanerEgal, ob du 'n Indoneser bist, oder 'n IndianerOb Kapuziner, Argentiner, Franziskaner oder FranzoseUnd in seiner bodenlosen Lodenhose hingen seine Hoden lose, heyHey…
Hier offenbart sich Lindenbergs Neigung zu Wortspielen und Schüttelreimen aus der Hölle. Und man möge darüber hinwegsehen, dass Udo von „Indianern“ spricht (schon Honecker hatte er „Oberindianer“ genannt), ein Ausdruck, der heute in progressiven Kreisen tunlichst zu vermeiden ist; man denke an die Berliner Grünenpolitikerin Bettina Jarasch, die sich 2021 dafür entschuldigte, den Begriff „Indianerhäuptling“ verwendet zu haben. Mit der Aufzählung verschiedener Nationalitäten will der „Panikrocker“ natürlich sagen, dass Herkunft und Identität keine Rolle spielen sollen, piep, piep, piep, wir ham uns alle lieb.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











