Türkische Karikaturenschlacht: Staat stellt sich hinter Angreifer

vor 12 Monaten

Türkische Karikaturenschlacht: Staat stellt sich hinter Angreifer
Bildquelle: Tichys Einblick

Es ist wieder passiert. Eine Zeitung, diesmal in der Türkei, hat eine Karikatur gedruckt, in der vermeintlich auch der islamische Prophet Mohammed zeichnerisch dargestellt wurde. Zu sehen sind Häuser in Rauch und Flammen und fallende Raketen, darüber schwebend zwei bärtige Figuren mit Heiligenschein, der eine eine Kappe auf dem Kopf, der andere eine Art Hut und Schläfenlocken. Sie schütteln Hände und stellen sich dabei als Muhammed und Musa, die arabisch-türkische Version des Namens Moses, vor. Was die Karikatur aussagen soll, ist dabei nicht ganz klar. Vielleicht einfach, dass die Religionsgründer eine andere Haltung zum Nahost-Konflikt haben könnten als die Kriegsparteien.

Muslimische Gläubige hat das Bild aber wieder einmal in einer Weise aufgebracht, die unverhältnismäßig ist. Zu dutzenden griffen sie eine Bar in Istanbul an, in der die Mitarbeiter des Satiremagazins LeMan gewöhnlich verkehren. Am Ende prügelten sich laut AFP 250 bis 300 Personen. Auf Plakaten während Demonstrationen wurde die Redaktion als „unmoralischer“ Haufen beschimpft, der in seinem eigenen Dreck ersticken werde. Rufe der Demonstranten wurden laut: „Zahn um Zahn, Auge um Auge, Rache!“ Einige Passanten riefen dagegen: „Wir sind in der türkischen Republik, Sie können nicht nach der Scharia rufen!“ Doch genau das forderten die Demonstranten und griffen die protestierenden Passanten an. Das ging so noch etliche Stunden weiter.

Die türkische Polizei baute wohl einige Barrikaden auf und versprühte hier und da Pfefferspray, ging aber laut Augenzeugen keineswegs so mit den Demonstranten um, wie das gewöhnlich bei regierungskritischen Protesten passiert. Den Demonstranten blieb genügend Zeit, um auch noch ein öffentliches Gebet auf der Straße abzuhalten – so eines, wie sie auch hierzulande häufiger werden.

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