Ein Wimpernschlag ist für ein Menschenleben ein wirklich winziger Moment – im Wortsinn nur ein Augenblick. Genauso verhält es sich mit der Lebensspanne eines Menschen und der Menschheit: Die derzeit mehr oder weniger 80 Jahre, die wir auf dieser Welt herumirren, sind in der Geschichte ein wirklich winziger Moment.
Doch wir neigen dazu, uns als Krone der Schöpfung zu sehen. Wir neigen zur Selbstüberhöhung. Entsprechend halten wir unsere Lebensspanne für die wichtigste in der Menschheitsgeschichte. (Spoiler: Das ist sie nicht.) Und das, womit wir aufgewachsen sind und woran wir uns gewöhnt haben, halten wir für den Normalzustand.
Wer einen Blick in ein Geschichtsbuch wagt, stellt fest: Das stimmt gar nicht.
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An sprachlichen Superlativen und am inflationären Gebrauch des Wortes „neu“ erkennt man deshalb ganz gut, wer einen kenntnisreichen und realistischen Blick auf die Welt hat – und wer eher nicht. Unsere amtierende Außenministerin Annalena Baerbock konstatiert „eine neue Zeit der Ruchlosigkeit“:
Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass vor allem jüngere Politiker mit wenig oder gar keiner Erfahrung im richtigen Leben sich weigern, die Dinge so zu sehen, wie sie sind (und wie sie immer waren). Stattdessen ignorieren sie Karl Marx: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Und sie missinterpretieren Schopenhauer: „Die Welt als Wille und Vorstellung“.
Doch die Welt ist, wie sie ist – nicht so, wie wir sie haben wollen, und schon gar nicht so, wie wir sie uns vorstellen. „Ich mach’ mir die Welt, widde-widde wie sie mir gefällt“: Das singt zwar die Pippi Langstrumpf bei Astrid Lindgren. Aber das rothaarige Märchen-Mädchen tut es eben in einem Kinderbuch und nicht in einem Handbuch für internationale Politik.
Die überwältigende Mehrheit der aktuellen Zeitgenossen im sogenannten Westen ist nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und hat ihr Leben in ständig wachsendem Wohlstand, in weit überwiegend demokratischen Gesellschaften und friedlich verbracht – jedenfalls im westlichen Europa. Uns erscheinen verlässlicher Wohlstand, eine stabile Demokratie und die Abwesenheit von Krieg als politischer und gesellschaftlicher Normalzustand.
Das war schon immer ein historischer Irrtum.
Dem sind auch einige hochintelligente und gebildete Menschen erlegen. Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende des Axel-Springer-Konzerns, dokumentiert in einem absolut bemerkenswerten Kommentar seine Fassungslosigkeit über Donald Trump und dessen Ukraine-Politik.
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Vermutlich ungewollt entlarvt Döpfner dabei die große Lebenslüge, die Deutschland und der EU gerade um die Ohren fliegt.
„Fast im Stundentakt überschreitet die amerikanische Regierung rote Linien, die in einer rechtsstaatlichen Demokratie nie überschritten werden dürften. (…) Gegen Europa wird ein Handelskrieg angezettelt, während gleichzeitig mit den Kommunisten in China gedeihliche Deals eingefädelt werden.“
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











