Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist ein Islamist, dem sich zunehmend die Türen in westlichen Machtzentralen öffnen, weil er sich neuerdings konziliant gibt. Aber darf sein Land auf Stabilität, gar Demokratie hoffen – und nimmt er wirklich Hunderttausende Syrer aus Deutschland zurück?
Ahmed al-Scharaa ist demokratisch gewählter Präsident. Er hat den Assad-Clan von der Macht vertrieben, doch seine Macht ist längst nicht legitimiert. Zudem blickt er auf eine dschihadistische Vergangenheit zurück: Unter dem Kampfnamen Mohammad al-Jolani trat er 2003 der terroristischen Al-Qaida bei, baute im syrischen Bürgerkrieg einen IS-Ableger auf, die Nusra-Front, und war später auch Führer von deren Nachfolgemiliz Hai’at Tahrir al-Scham.Die Vereinigten Staaten setzten einst eine Belohnung von 10 Millionen Dollar auf die Ergreifung al-Jolanis aus. Inzwischen hat sich al-Scharaa, der im Dezember 2024 an die Macht gelangte, etabliert; er trägt jetzt Anzug, traf sich bereits mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus und sprach vor den Vereinten Nationen.
US-Fahndungsplakat: Auf al-Scharaa (damals: al-Jolani) war ein Kopfgeld ausgesetzt.
Hat er seiner dschihadistischen Vergangenheit wirklich abgeschworen oder ist er ein Wolf im Schafspelz, der die harmoniesüchtigen Europäer erfolgreich täuscht? Die Bundesregierung, die ihm jetzt den roten Teppich ausrollte, erhofft sich von ihm Stabilität in dem von einem mehr als 13-jährigen Bürgerkrieg zerrütteten Land und gleichzeitig den Schutz von ethnischen und religiösen Minderheiten: Kurden, Christen, Alawiten, Jesiden, Drusen.
Wird al-Scharaa sie schützen? Das ist fraglich. In seinem ersten Interview mit dem katarischen Sender Al Jazeera hatte al-Jolani gesagt, sein Ziel sei es, Syrien unter islamischem Recht regiert zu sehen, und machte deutlich, dass es keinen Platz für die alawitischen, schiitischen, drusischen und christlichen Minderheiten des Landes gebe. Und tatsächlich sind die Sicherheit und der Minderheitenschutz bislang nicht flächendeckend gewährleistet, im Gegenteil: Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen.Während al-Scharaa bereits an der Macht war, wurden 2025 und 2026 mehrere Massaker an Minderheiten mit insgesamt mehreren tausend Toten verübt, an denen dem neuen Regime nahestehende Milizen und sogar Regierungstruppen beteiligt waren. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte nun, man erwarte, al-Scharaa werde „Raum schaffen für alle Syrer“. Sie bekämen alle ihre Rechte, versicherte al-Scharaa am Montag auf der Pressekonferenz in Berlin.
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