„24h im Kloster: So ist der Alltag von Schwester Marie-Salome“ – so lautet der Titel einer SWR-Dokumentation des Formats „360 Grad“, die im Dezember letzten Jahres veröffentlicht wurde. Der Beitrag klingt zunächst nach einer harmlosen Sendung über das Leben einer katholischen Nonne, doch das ändert sich schnell. In der allerersten Szene der Doku fragt die SWR-Journalistin: „Was machst du, wenn du wirklich horny bist? Dürft ihr masturbieren?“ Auf Instagram veröffentlicht der SWR jenen Videoausschnitt dann unter dem Titel „Ein Leben ohne Sex?!“ Wovon das Kloster offenbar nicht besonders begeistert ist.
Es ist naheliegend, dass die Kreuzschwestern des Klosters Hegne am Bodensee etwas anderes erwartet hatten: Die SWR-Journalistin Leonie Maderstein verbringt in der Dokumentation einen Tag und eine Nacht mit den Nonnen und befragt sie über ihren religiösen Lebensalltag. Von Schwester Marie-Salome wird sie durch das Kloster geführt und tagsüber begleitet. Die Frau trat mit 25 Jahren ins Kloster ein und lebt seit neun Jahren dort. Die Nonne berichtet, dass sie ihren Schwesternnamen selbst aussuchen durfte. Sie hat sich für Marie-Salome entschieden: einerseits in Anlehnung an Maria, die Mutter Jesu, weil die Nonne mit ihrem Leben Gott in die Welt bringen möchte, und Salome, weil Salome im Neuen Testament eine der ersten Frauen war, die Jesus als den Auferstandenen sah.„Ich möchte Gott in die Welt bringen als den Gekreuzigten und Auferstandenen. Das heißt, mit den Menschen unterwegs sein, in ihren Sorgen und Nöten, aber auch da, wo man das Leben miteinander feiert.” Wenn sie ihre Familie besuche, werde sie noch mit ihrem bürgerlichen Namen Michaela angesprochen. In der Dokumentation wird darüber informiert, dass der Altersdurchschnitt im Kloster Hegne bei über 80 Jahren liegt. Junge Nonnen gibt es insgesamt sehr selten.
Vor der Dokumentation wurden Internetnutzer auf Reddit gebeten, ihre Fragen zu schreiben, die sie gerne einer Nonne stellen würden. Es wurde zum Beispiel danach gefragt, wer das Gehalt zahlt. Die Antwort: Sie ist in Vollzeit als Pastoralreferentin angestellt, und das Gehalt wird von der Gemeinde gezahlt. Im Verlauf der Dokumentation kommt das Gespräch auch auf das Thema Partnerschaft und Kinder. Schwester Marie-Salome wird gefragt, ob sie es vermisse, die Möglichkeit zu haben, eine Familie zu gründen. Manchmal vermisse sie es, doch sie gehe in dem auf, was sie lebt.
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