Deutsche Medien hatten sich nach der Parlamentswahl 2024 blind dem Pathos eines angeblich historischen Labour-Sieges angeschlossen. Von den ÖRR-Sendern bis zu den Privatmedien war vom wohl größten sozialdemokratischen Wahlsieg der Geschichte die Rede. Davon ist bei Starmer nach nicht einmal zwei Jahren kaum noch etwas übrig. Labour steht vor dem politischen Kollaps: Das Kabinett muss eine Krise nach der nächsten aushalten. Zu einem Umschwung historischen Ausmaßes kam es tatsächlich bei der Kommunalwahl in der vergangenen Woche, nicht bei Starmers Labour-Sieg 2024.
Als der damalige britische Premierminister Rishi Sunak am 22. Mai 2024 verkündete, dass er den König um die Auflösung des Parlaments gebeten habe, war die Aufregung in Whitehall, dem britischen Regierungsviertel, groß. Sunak war der fünfte konservative Premierminister seit 2016, der seinen Posten aufgeben musste. Eingereiht neben Liz Truss und Boris Johnson glänzte er im Vergleich zwar fast schon durch Nüchternheit, dennoch fielen die Konservativen daraufhin endgültig in eine Spirale des Niedergangs.
Mit Keir Starmer zog nach 14 Jahren Tory-Dominanz erstmals wieder ein Labour-Politiker in die 10 Downing Street ein. Der Labour-Chef soll durch eine angebliche rote Welle, die über den Inselstaat hinwegfegte, eines der stärksten linken Mandate der britischen Geschichte erhalten haben — doch genau das war nicht der Fall. Diese verzerrte Realität wurde von deutschen Medien übernommen und bejubelt. „Keir Starmer erlöst die Briten“, titelte der Spiegel damals, beim NDR war von einem angeblichen Erdrutschsieg die Rede. Die Realität war hingegen eine andere: Zwar erhielt die Labour Party im britischen Unterhaus 412 Sitze, ein historisches Ergebnis, das dem von Tony Blair im Jahr 1997 gefährlich nahekam – entsprechend fielen auch in den deutschen Medien ähnlich viele Lobhymnen auf Starmer aus.
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