Zwei Demonstrationen an einem Samstag in London. Das ist erst einmal nichts Besonderes, vor allem nicht mehr in dieser Paarung. Der Pro-Palästina-Demo stand die Unite-the-Kingdom-Demonstration von Tommy Robinson gegenüber. Die Teilnehmerzahlen werden meist nur global für beide Demonstrationen zusammen mit „Zehntausende“ angegeben. Der Telegraph sprach allerdings von allein 50.000 Teilnehmern bei „Unite the Kingdom“. Viele Teilnehmer seien in Union Jacks oder englischen Sankt-Georgskreuzfahnen gehüllt oder trugen große Kreuze mit der Aufschritt „Redeemer“ („Erlöser“), andere trugen Make-England-Great-Again-Kappen. Mehr als 4.000 Polizisten mussten laut der BBC eine „sterile Zone“ zwischen den beiden Demonstrationsmärschen herstellen.
Das gibt wohl eine Idee der Ereignisse. Die Festnahmen hielten sich dabei in Grenzen. Wiederum global: 43 bei beiden Märschen. Auch in der Schilderung der vertretenen Inhalte blieb die BBC – zumindest zu Beginn ihres Artikels – relativ fair. Die Teilnehmer vertraten „sehr unterschiedliche Ansichten“. Einige wünschten sich das Ende der aktuellen Regierung, andere glaubten, dass „weiße Menschen, insbesondere Angehörige der weißen Arbeiterklasse, in Großbritannien diskriminiert würden“.
Tommy Robinson sagte auf der von ihm organisierten Demonstration: „Seid ihr bereit für die Schlacht um Großbritannien? 2029 finden Wahlen statt. Wir verlangen von niemandem, dass er in den Kampf zieht, aber dies ist der wichtigste Moment unserer Generation.“ Robinson empfahl den Bürgern sich politisch zu engagieren. Dabei sei ihm aber gleichgültig, in welcher Partei sie dies täten: bei Reform, Advance, Restore oder sogar bei den Konservativen. „Wir müssen uns an unserem Ort politisch engagieren.“
Daneben sprach Siobhan Whyte, deren Tochter von einem sudanesischen „Schutzsuchenden“ ermordet worden war, auf der Kundgebung. Sie sagte, Keir Starmer habe das Land, habe auch ganz konkret ihre Tochter „im Stich gelassen“ („he failed us“). Wäre Starmer nicht an der Macht gewesen, dann könnte ihre Tochter heute noch leben.
Bei der Gegendemonstration waren auch Ex-Labour-Anführer Jeremy Corbyn und Labour-MP Diane Abbott, die die Nakba-Demo muslimischer Einwohner zum Anlass nahmen, vor einem „gemeinsamen Feind“, den Abbott – allgemein nicht für ihr rhetorisches Talent bekannt – so beschrieb: „Sie sind bösartig rechts, bösartig rassistisch, sie sind gegen Schwarze, gegen Muslime und bösartig antisemitisch.“ Damit war die Meinungsvielfalt auf dieser Demonstration gut umrissen. Es ging wieder laut BBC vor allem um Genozid und Antifaschismus.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











