In der Tagesschau durfte Tobias Bönte, ein Mitglied und Mandatsträger der SPD, als Journalist vom Parteitag seiner eigenen Partei berichten. Ein Unding, aber eines, das ein Schlaglicht auf den Einfluss der Sozialdemokraten auf die politische Berichterstattung im Lande wirft. Die Partei verfügt über eine weithin unbekannte Medienmacht.
Olaf Scholz hat gesprochen. Über eine Stunde auf dem SPD-Parteitag in Berlin. Ein mitreißender Redner war er noch nie, eher hölzern, nicht umsonst ist er in Hamburg als spröder „Scholzomat“ bekannt und berüchtigt. Sechs Wochen vor der Wahl steht er mit seiner zerfallenen Ampel-Koalition schwer angeschlagen da, die Partei dümpelt in Umfragen unterhalb der 15-Prozent-Marke. Schwerstarbeit, das alles positiv zu verpacken.Aber Tobias Bönte vom Bayerischen Rundfunk (BR) schafft es: „Ja, er war kämpferisch und man hatte den Eindruck, er hat sich heute wirklich rundum wohlgefühlt auf dem Parteitag seiner Partei“, sagt der Mann vom Bayerischen Rundfunk, als er in der Tagesschau zugeschaltet wird. Offenbar meint es Tobias Bönte gut mit den Sozialdemokraten – was daran liegen könnte, dass er selbst einer von ihnen ist. Er sitzt für die SPD im Gemeinderat Anzing, ist dort zweiter Vorsitzender. Kommentiert also den Parteitag seiner eigenen Partei, da ist das so eine Sache mit der gebotenen journalistischen Distanz und der unvoreingenommenen Einschätzung.
Zugeschaltet ist Tobias Bönte, ein SPD-Mann, der als Journalist den SPD-Parteitag kommentiert.
Sarkastisch kommentierte der Journalist Philip Plickert bei X: „Ich würde gerne mal den Algorithmus sehen, mit dem die Tagesschau-Kommentatoren ausgewählt werden.“
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