„Im Zweifel ist das Leben eines Polizisten wichtiger als das eines Schwerverbrechers.“ Markus Söder sagte diesen Satz auf dem CSU-Parteitag – und hielt es für eine gute Idee, ihn anschließend ohne jeden Kontext in den sozialen Medien zu verbreiten. Kein erklärender Zusatz, kein rechtlicher Rahmen, keine Einordnung. Nur dieser eine Satz. Nackt. Roh. Wirksam.
In der Sache ist der von ihm gepostete Satz banal. Natürlich darf sich ein Polizist verteidigen. Natürlich darf der Staat tödliche Gewalt einsetzen, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, eine akute Gefahr abzuwehren. Das ist gesetzlich geregelt – und dafür braucht es keinen Parteitag, keinen Applaus und erst recht keine Social-Media-Inszenierung.
Weil es hier nicht um Recht geht. Sondern um Sprache. Und um Macht.
Der Satz funktioniert nicht juristisch, sondern emotional. Er teilt die Welt in zwei Rollen: hier der Polizist, dort der Schwerverbrecher. Der eine Ordnung, der andere Bedrohung. Und dazwischen kein Graubereich, kein rechtsstaatlicher Rahmen, kein Nachdenken. Das Wort „wichtiger“ erledigt die Arbeit. Es setzt eine Rangordnung, ohne sie begründen zu müssen.
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