Friedrich Merz (CDU) ist der Kanzler mit der Lizenz zum Plaudern. Rund um den ersten Jahrestag seines Amtsantritts hat sein Team einen hübschen Reigen an Auftritten und Interviews geplant, die bislang alle aus dem Ruder gelaufen oder gar nach hinten losgegangen sind.
Die im Grunde sympathische Selbstkritik im Spiegel-Gespräch, er könne in der Kommunikation noch besser werden, wurde völlig überdeckt von der weinerlichen Botschaft, kein Kanzler habe es so schwer gehabt wie er. Das empathielose Zusammenfalten einer krebskranken Fragestellerin war ein Desaster, und vom Auftritt bei „Caren Miosga“ (ARD) am Sonntagabend bleibt der wohl lässig gemeinte Satz übrig: „Ich habe keine Vollmacht, die CDU umzubringen. In dieser Koalition muss die Union vorkommen.“
Nach einem Jahr im Amt den Spin zu setzen, dass man besser werden müsse, mag aufrichtig sein, bestätigt aber eher diejenigen, die in den aktuellen Umfragen von der Union zur Konkurrenz flüchten. Und dass der Parteichef und Kanzler kein Mandat zum Ruinieren des eigenen Ladens hat, ist zwar für Außenstehende witzig, belegt aber lediglich, dass der Käpt’n auf der Titanic noch Humor hat. Den gerade von Merz immer wieder eingeforderten Stimmungswechsel bekommt man mit Defätismus statt klaren Hoffnungsvisionen für einen Aufschwung in Deutschland aber auch nicht hin.
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