Sechsfach-Mord von Stade: Was Sie niemals erfahren sollten

vor 2 Tagen

Sechsfach-Mord von Stade: Was Sie niemals erfahren sollten
Bildquelle: NiUS

Am 29. Juni erschoss der ausreisepflichtige türkische Staatsbürger Fatih Gazioglu sechs unschuldige Menschen in einer Mutter-Kind-Einrichtung der Stadt Stade. Schon wenige Stunden nach der Tat sprachen die Behörden von einer „Beziehungstat“, obwohl es sich um nichts anderes als einen Rache-Anschlag gegen den Staat und seine Bediensteten handelte.

„Achtung, Reichelt!“ vom 31. August 2026 sehen Sie hier:

Eine Beziehungstat ist ein Gewaltverbrechen, das innerhalb einer Beziehung begangen wird, zum Beispiel ein Mord aus Eifersucht oder aufgrund von Sorgerechtsstreitigkeiten zwischen Eltern. In Stade aber richtete Fatih Gazioglu sechs Menschen kaltblütig hin, weil er eine Entscheidung des Staates nicht akzeptieren wollte.

Gazioglu und die Fahrerin des Fluchtwagens Sylvia Scholz vor dem Tatort

Der Staat wollte Fatih Gazioglu seine Tochter entziehen, nachdem er sie so sehr geschüttelt hatte, dass sie Blutungen im Hirn erlitt und notoperiert werden musste.

Fatih Gazioglu mit seiner Tochter

Mit einer Beziehungstat hat das nichts zu tun. Das ist kein Sorgerechtsstreit, genauso wenig wie ein Führerscheinentzug wegen Trunkenheit ein Streit ums Alkoholtrinken ist. Trotzdem wurde diese Tat von den Behörden so dargestellt.

Das ist besonders brisant, weil der Schwiegersohn der Fluchtwagenfahrerin, Deniz Kurku, Migrationsbeauftragter des Landes Niedersachsen ist und direkt in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Olaf Lies angesiedelt ist. Auch seine Aussage zu dem Sechsfach-Mord gerät durch die NIUS-Recherche massiv ins Wanken. Vieles deutet darauf hin, dass er die Unwahrheit gesagt hat.

Deniz Kurku, Migrationsbeauftragter des Landes Niedersachsen

Der Sechsfachmörder Fatih Gazioglu hätte nicht in Deutschland sein dürfen. Nun sind sechs Angestellte des Staates tot – und doch scheinen diese Tat und ihre Hintergründe den Staat so gar nicht zu interessieren. Im Gegenteil: Vieles in diesem Fall scheint seltsam. Vieles deutet darauf hin, dass der Staat mögliche Komplizen von Gazioglu schützt, deckt oder nicht allzu energisch verfolgen will. Die brisanteste Spur führt dabei direkt in die Staatskanzlei von Niedersachsen.

Das NIUS-Investigativteam hat über Wochen im Fall Stade recherchiert, mit Personen gesprochen, die direkte Kenntnis von den Ermittlungen haben, und Hunderte Seiten vertrauliche Unterlagen ausgewertet.

Auch innerhalb höchster Dienststellen in Niedersachsen ist man verwundert darüber, warum dieser Anschlag auf den Staat nur halbherzig verfolgt wird. Manche Informationen können wir nicht verwenden, um laufende Polizei-Maßnahmen nicht zu gefährden. Aber die Unterlagen, die uns vorliegen und die wir Ihnen ab heute präsentieren werden, belegen eindeutig: Der Sechsfach-Mord von Stade war ein eiskalter Anschlag auf die arglosen Angestellten der Mutter-Kind-Einrichtung.

Fatih Gazioglu war kein Einzeltäter, kein Durchgeknallter. In seiner Aussage nach der Tat sagte er, er habe mit seiner Tat das System verändern wollen. Und dann wörtlich: „Wenn Ihr bereit seid zu töten, dann bin ich bereit zu töten und getötet zu werden.“

So steht es in dem Protokoll zu seiner Vernehmung, das NIUS vorliegt. In seinem Abschiedsbrief, den er kurz vor seinem Selbstmord in der Zelle verfasste und der NIUS vorliegt, schrieb Gazioglu: „Meine Mutter lehrte mich schon in der Kindheit, niemals mit der Ehre eines Mannes zu spielen. Ich habe mich mein ganzes Leben daran zu hundert Prozent gehalten. Andere Menschen tun dies aber nicht und trauen sich, mich über meine Ehre anzugreifen.“

Gazioglu sah sich als Rächer. Aus den Akten geht hervor, dass er seinen Opfern befahl, sich hinzusetzen und die Hände auf den Tisch zu legen, bevor er sie der Reihe nach exekutierte. Die Polizei geht davon aus, so belegen es die Akten, dass Gazioglu nicht allein handelte.

Seine Ehefrau Enise Ö., Mutter seiner Tochter, und die Fluchtwagenfahrerin Sylvia S. waren offenbar keine ahnungslosen, hilflosen Zuschauer. Im bisher öffentlich nicht bekannten vorläufigen Abschlussbericht der Polizei werden sie als Eingeweihte, als Mitwisser und Mittäter eingestuft. Beide Frauen befinden sich auf freiem Fuß, obwohl die Vorwürfe gegen sie schwerwiegend sind. Alles wirkt so, als würden sie politisch gedeckt werden.

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