Wie erwartet hat sich das rabiate Vorgehen der US-Amerikaner und Israelis im Nahen Osten destabilisierend auf die Lage der gesamten Region ausgewirkt. Die Kriegsparteien nehmen dabei zunehmend auch die Energieinfrastruktur ihrer Widersacher ins Visier. Das Debakel demonstriert die Machtlosigkeit, aber auch wirtschaftliche Verwundbarkeit insbesondere Deutschlands und Europas. Nun drohen Öl- und Gaskrise.
Im Zentrum jüngster Eskalationen steht das South Pars Gas Field, das größte bekannte Erdgasvorkommen der Welt. Doch eine andere Art von Sprengkraft in diesem Konflikt entfaltet sich auf den globalen Energiemärkten – und trifft damit auch Verbraucher in Europa unmittelbar.
Aus der geopolitischen Erfahrung wissen wir, dass Staaten im Grunde ständig in ökonomischer Rivalität zueinanderstehen. In den vergangenen Jahrzehnten blieben diese Reibereien halbwegs unter der Oberfläche, was den Europäern einen historisch einmaligen Traumtanz erlaubte. Diese Zeiten sind vorbei. Die USA wollen – und können – die Kosten der Pax Americana, die sie errichtet haben, nicht länger tragen. Damit entfällt für die Deutschen die Mitfahrgelegenheit auf dem geostrategischen Trittbrett. Eigentlich müsste Deutschland sich schmerzlich verändern: Alle Energieformen zulassen, den kultischen Wahn vom Klima hinter sich lassen, geopolitische Rivalen ausbalancieren, militärische Abschreckung auch strategisch und aus eigener Kraft gewährleisten. Doch weil es Abstriche bedeuten würde, finanziell wie intellektuell, wird das nicht passieren. Für diese Krise kommt jeder gute Gedanke zu spät. Doch weil sich nichts ändert, alles Tabu ist, wird uns auch die nächste Krise treffen. Und die nächste. Und die danach.
Im derzeitigen Konflikt jedenfalls, manche nennen ihn den „dritten Golfkrieg“, markiert der israelische Angriff auf Anlagen im Umfeld von South Pars eine weitere Eskalationsstufe. Das Gasfeld, das sich Iran und Katar teilen, enthält schätzungsweise rund 51 Billionen Kubikmeter förderbares Erdgas. Diese Menge entspricht etwa dem weltweiten Bedarf von über dreizehn Jahren. Für den Iran ist dieses Feld von existenzieller Bedeutung: Es sichert nicht nur die Stromproduktion, sondern auch die Versorgung von Millionen Haushalten. Bereits in der Vergangenheit führten Störungen in der Gasförderung zu Stromausfällen und wirtschaftlichen Einbrüchen. Israel scheint diesen Angriff laut eigener Aussagen nicht mit den USA abgesprochen zu haben.
Doch die globale Dimension ergibt sich vor allem aus der Rolle Katars. Der katarische Teil des Feldes, North Dome, ist die Grundlage für eine der wichtigsten Energieexportindustrien der Welt. Katar ist nach den USA der zweitgrößte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG), und ein erheblicher Teil dieser Exporte wird in der Industriestadt Ras Laffan verarbeitet. Dort wird nahezu das gesamte Gas aus dem North Dome verflüssigt und für den Export vorbereitet. Rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Versorgung hängen direkt oder indirekt von dieser Infrastruktur ab. Deutschland erhält „sein“ LNG woanders, zahlt aber den höheren Preis. Dabei wäre der Frühlingsbeginn traditionell gut geeignet, um die Gasspeicher für den Winter langsam wieder volllaufen zu lassen.
Als der Iran als Reaktion auf die israelischen Angriffe genau diesen Knotenpunkt ins Visier nahm und „umfangreiche Schäden“ verursachte, traf dies nicht nur Katar, sondern die globale Energiearchitektur. Die Anlage in Ras Laffan war bereits zuvor teilweise stillgelegt, doch die neuen Schäden könnten die Wiederaufnahme der Produktion um Wochen oder sogar Monate verzögern. Für die vollständige Reparatur ist sogar von drei bis fünf Jahren die Rede, natürlich nur, wenn es nicht zu weiteren Angriffen kommt. Analysten gehen davon aus, dass sich dadurch die Angebotslage auf dem globalen Gasmarkt nachhaltig verschärfen wird.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











