Unangreifbar angreifen ist eine Technik, die CSU-Chef Markus Söder aus dem Effeff beherrscht, und er beherrscht sie brillant. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Rust am Wochenende fuhr er nicht nur Kanzler Friedrich Merz (CDU) in die Parade, indem er weitere Gespräche über das Rentenpaket in Aussicht stellte, was angesichts der Blockade durch die Junge Gruppe im Bundestag zwar auf der Hand lag, aber in den Ohren der JU-Leute in der Halle als Korrektur der harten Ablehnung des Kanzlers rüberkam, der über das Gesetz eben nicht mehr reden will.
Dass Söder ausdrücklich erklärte, er wolle Merz nicht in den Rücken fallen, war ein mindestens ebenso raffinierter Move der JU zu sagen, dass er auf deren Seite stehe, aber eben nicht offen gegen den Kanzler agiere, obwohl er es ja ganz offensichtlich könnte, wenn er wollte. Geschliffene Hinterhältigkeiten, die man nicht lernen kann.
Der dritte Punkt, den Söder unangreifbar aufgriff, war das Stichwort „Minderheitsregierung“. Der CSU-Chef warnte vor einer solchen und signalisiert damit gleichwohl, das allgemeine Flurgespräch des Deutschlandtages und die Debatten an der Basis der Union insgesamt zu kennen. Anders als Merz. Gegen die Warnung kann niemand etwas haben, und doch verstößt dieser Hinweis von Söder gegen die gängige Politik-Regel, vermeintlich „giftige“ Worte erst gar nicht in den Mund zu nehmen, wenn man die Leute nicht auf die Fährte dieser Idee setzen will. Söder weiß das alles.
Ziemlich beste Freund: CSU-Chef Söder mit dem JU-Vorsitzenden Johannes Winkel beim Deutschlandtag der Jungen Union. Nichts zu lachen hatte dort Kanzler Merz.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











