Über den intellektuellen Zustand der ehrwürdigen Institution der Universität von Oxford sagt es alles, dass sie sich als Rednerin Franziska Brantner eingeladen haben. Früher tat Brantner so, als kenne sie sich in der Wirtschaftspolitik aus, jetzt camoufliert Brantner, sie verstünde etwas von Sicherheitspolitik. Morgen wird sie uns wahrscheinlich als Verkehrsexpertin überraschen und die Europäer aufrufen, in Deutschland die verpflichtende Benutzung von Lastenrädern einzuführen.
Das Problem von Brantners Rede besteht im Geschichtsrevisionismus und im immanenten deutschen Selbsthass der Grünen, die niemand stärker auf der Welt verachten als die eigene Nation. Sie besteht in Brantners Vorschlägen, die die Freiheit Deutschlands, die Freiheit der deutschen Bürger, die deutsche Demokratie in Frage stellen.
Brantner beschwört die deutsche Schuld, denn ohne die deutsche Schuld verlöre die rotgrüne Politik ihre Rechtfertigung. Brantner wiegt sich in bräsiger Selbstzufriedenheit, wenn sie in Oxford sagt: „Ich bin an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich geboren. Ich bin ein Kind des deutsch-französischen Versöhnungsprojekts und frage mich, wie schnell meine Mitbürger die Narben ‚vergessen‘, die der deutsche Imperialismus und Nationalsozialismus in ganz Europa hinterlassen haben.“ Da sie leider nicht ganz, aber doch so gut wie schon in Frankreich geboren wurde, glaubt sie, das Recht zu besitzen, auf ihre deutschen Mitbürger herabzusehen.
Sie spricht von den Narben, „die der deutsche Imperialismus und Nationalsozialismus in ganz Europa hinterlassen“ habe. Und erinnert dann an Verdun und an die Somme und an den Ersten Weltkrieg, um eine alleinige deutsche Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu behaupten, die kein ernstzunehmender Historiker bestätigen würde. Der Ausbruch der Ersten Weltkriegs hatte komplexe Ursachen, vor allem resultierte er aus der damaligen Dysfunktionalität europäischer Eliten, Clark nannte sie den österreichischen Schriftsteller Hermann Broch zitierend „Schlafwandler“. Aber man versteht, wenn man selbst der dysfunktionalen Elite Europas unserer Zeit angehört, dass man dann ungern über die Dysfunktionalität einer früheren Elite, die Europa schon einmal in den Abgrund trieb, spricht. Der ferne Spiegel ist verräterisch. Da wir schon einmal beim historischen Analogisieren sind, dann könnte wieder einmal die größte Gefahr für Europa von seinen Eliten ausgehen.
Allzu mitleiderheischend ist es, wenn Brantner vom deutschen Sonderweg phantasiert, denn der deutsche Sonderweg wird erstmalig in unseren Tagen beschritten, unter maßgeblichem Anteil der Grünen, denn die deutsche Energiepolitik im Allgemeinen und die deutsche Atomenergiepolitik im Besonderen ist der deutsche Sonderweg par excellence in der Welt, so einzigartig und so sonderlich wie die deutsche Wirtschaftsselbstzerstörungspolitik, die grüne Vernichtung der Wertschöpfungsketten nun einmal sind. Darüber hätte man gern etwas von Franziska Brantner gehört, war sie doch führend als Habecks Staatssekretärin daran beteiligt.
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