Bundeskanzler Friedrich Merz’ Auftritt bei Caren Miosga am Sonntagabend wurde in Politik und Medien mit Spannung erwartet – nicht zu Unrecht: Merz steht so stark unter Druck wie lange nicht – seine Koalition scheint an einem möglichen „Point of no return“ angelangt, wie es etwa Bild formuliert. Mitten in dieser Krise wollte der Kanzler sich zur besten Sendezeit in die ARD, in eine der meistgesehenen Talkshows des Landes, setzen.
Und oberflächlich gesehen hat der Kanzler aus medialer Perspektive nicht enttäuscht: Gegen die SPD teilte er aus – seine Regierungspartner mahnte er zur Disziplin. „Ich bin bis jetzt sehr geduldig gewesen“, meinte der Kanzler. In Richtung der Sozialdemokraten machte er die Ansage: „Kompromisse sind keine Einbahnstraße.“ Bas und Klingbeil sollten „zur Arbeit im Kabinett“ zurückkehren – bei den vom Finanzminister geplanten Steuererhöhungen für höhere Einkommen zog er eine rote Linie.
Kurzum: Der Kanzler sparte am Sonntag nicht mit Schein-Ansagen an die Sozialdemokraten – eigentlich eine öffentliche Provokation in Richtung des Koalitionspartners. Normalerweise sollte die Reaktion – wie auch immer wieder in der Vergangenheit – mit Empörung vonseiten der SPD ausfallen: Klingbeil oder Fraktionschef Miersch würden in einem Interview zurückschießen. Bundestagsabgeordnete würden offene Kritik am Bundeskanzler üben.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











