Es war nicht alles besser in der Vergangenheit, aber eines kann man zugeben, ohne unserer Gegenwart Unrecht zu tun: Vieles war authentischer, ehrlicher, es wurde mit offenem Visier gestritten. Das galt insbesondere für die deutsche Politik. Der politische Aschermittwoch stand einmal sinnbildlich für den Aufbruch in das politische Jahr – ein emotionales Amalgam für Parteifreunde und eine Rückbindung an die Wähler.
Politiker wie Franz Josef Strauß verstanden es, die bierselige Atmosphäre dieser quasi fortgesetzten Karnevalszeit wie ein rhetorisches Trampolin zu nutzen. In ihren Reden verschmolzen sie mit dem Publikum zu einer Einheit, die willens war, sich dem politischen Gegner zu stellen, gesellschaftliche Probleme offen anzusprechen und kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen. Man katapultierte sich gleichsam hinein in einen echten politischen Wettbewerb der Ideen.
Auf den Punkt gebracht, dekretierte der Kanzler apodiktisch: Die Politik der offenen Grenzen wird fortgesetzt, die Wirtschaft brauche Arbeitskräfte. Erinnern Sie sich noch an die Stadtbild-Debatte, die Friedrich Merz vor wenigen Monaten lostrat? Vom Kontrollverlust, von der sichtbaren Verwahrlosung deutscher Städte und der brandgefährlichen Islamisierung des Landes ist inzwischen keine Rede mehr. Im Grunde war sie es wohl auch nie. Was blieb, war ein Merzscher Zungenstolperer – umgehend neutralisiert vom linientreuen Multikulti-Journalismus.
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