„Ein Virus“, hat der britische Nobelpreisträger Peter Medawar einmal gesagt, „ist eine schlechte Nachricht mit einer Hülle aus Proteinen.“ Und so eine schlechte Nachricht ist jetzt wieder auf dem Weg nach Europa. Sie heißt Hantavirus, und wenn man ersten Sensationsmeldungen glauben darf, dann rollt da schon die nächste Pandemie auf uns zu, obwohl die letzte doch noch immer in unseren Knochen steckt.
Was also ist Wahrheit und was Irrtum, was Dummheit oder gar Täuschung beim Hantavirus, das auf einem Kreuzfahrtschiff, das geheimnisumwoben wie der Fliegende Holländer in Teneriffa angelegt hat, ausgebrochen ist?
Das niederländische Kreuzfahrtschiff MS Hondius ist am 1. April in Ushuaia, einem Hafen an der Südspitze Südamerikas in Argentinien, zu einer Kreuzfahrt in die Antarktis und den Südatlantik aufgebrochen. Die Hondius ist kein Traumschiff wie die Icon of the Seas, das derzeit größte Kreuzfahrtschiff der Welt, das doppelt so lang wie die Titanic ist und auf 20 Decks Wasserparks, Theater, Eislaufbahnen, Kletterwände und 40 Restaurants bietet, in denen sich 2.300 Crewmitglieder Tag und Nacht um die 7.500 Passagiere kümmern. Nein, die 2019 auf Kiel gelegte Hondius mit einer Crew von 70 Personen und Platz für 170 Passagiere ist eher eine Kombination aus Forschungsschiff und Boutiquehotel von der Länge einer Bodenseefähre als ein Luxusliner mit Las-Vegas-Angebot. Allerdings ist das Schiff durch seinen verstärkten Stahlrumpf und einen abgerundeten Bug konstruiert für Fahrten im stürmischen Südatlantik bei extrem niedrigen Temperaturen und kann sogar durch lockeres Packeis fahren.
Denn die Hondius fährt dorthin, wo vor hundert Jahren noch die Polarforscher unterwegs waren, also in das Rossmeer und ins Weddellmeer. Sie besucht die Falklandinseln, Südgeorgien und St. Helena, wo Passagiere mit arktistauglichen Zodiac-Booten für geführte Exkursionen an Land gehen können, um Vögel, Robben und Wale zu beobachten. An Bord der Hondius finden Vorträge, Diskussionen und Gruppenabende zu Themen aus Biologie, Zoologie und Ökologie statt. Das erklärt auch das besondere Publikum des Schiffes: Das sind oft schon etwas ältere, aber gut situierte Wohlstandsbürger (10 Tage Drake-Passage und Antarktis in der Normalkabine kosten pro Person 15.000 Euro) aus der Ersten Welt, die sich zehn Tage lang die letzten, wie sie meinen, unberührten Landschaften zwischen Arktis und Polarkreis anschauen und sich dabei einbilden, sie wären selbst eine Mischung aus Abenteurer und Naturforscher.
Und zwei Repräsentanten dieser speziellen Klientel sind vermutlich auch für den Ausbruch des Hantavirus auf der Hondius verantwortlich. Das war ein älteres holländisches Ehepaar, er 70, sie 69, beide inzwischen tot, aber als sie noch lebten, begeisterte Birdwatcher, also Vogelbeobachter, von denen es in Holland ja Hunderttausende geben soll.
Das niederländische Kreuzfahrtschiff MS Hondius am Hafen von Granadilla
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











