Das Empfinden der meisten Regierungskritiker in Ungarn lässt sich wohl in einem Satz zusammenfassen: In Budapest regiert ein zutiefst korrupter Ministerpräsident, der sich von fremden Mächten steuern lässt – abgewählt wird er durch einen liberal-konservativen Oppositionskandidaten, der im Gegensatz zu ihm Frische und Reformwillen verbreitet.
Eine solche Aussage ließe sich allerdings nicht nur über die Wahl am Sonntag, sondern auch über die Wahl vor ziemlich genau sechzehn Jahren treffen. 2010 hieß der Wahlsieger jedoch noch Viktor Orbán – er wurde unter einer Welle der Empörung gegen die amtierende sozialdemokratische Regierung, die in eine Reihe von Skandalen verwickelt war, mit einer Zweidrittelmehrheit an die Macht gespült.
Seitdem ist Orbán trotz der geringen Größe seines Landes zu einem der wohl wichtigsten Regierungschefs in Europa aufgestiegen. Sechzehn Jahre lang baute er an seinem Monumentalprojekt – einem Ungarn, das Rechten und Konservativen im gesamten Westen als Vorbild gelten sollte.
Bereits 2014 lieferte er für Rechte im gesamten Westen in einer Rede seine Blaupause: „Die ungarische Nation ist nicht bloß eine Gruppe von Individuen, sondern eine Gemeinschaft, die organisiert, gestärkt und tatsächlich aufgebaut werden muss. In diesem Sinne ist der neue Staat, den wir in Ungarn errichten, ein illiberaler, ein nicht-liberaler Staat.“ Ungeachtet dessen, was man von einer solchen Aussage hält – anders als viele Rechte und Konservative schien Orbán eine langfristige Vision zu verfolgen. Das machte ihn selbst für Politiker rechtsliberalen oder klassisch konservativen Einschlags interessant.
Durch seine guten Beziehungen in aller Welt, insbesondere zum heutigen US-Präsidenten Donald Trump, konnte Orbán auch auf der Weltbühne echte Relevanz erlangen – auch durch seine Rolle als Neinsager gegen Brüsseler Verirrungen, etwa in der Migrationspolitik.
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