Nach Takaichi-Sieg: Japans Rückkehr zur Stärke

vor 5 Monaten

Nach Takaichi-Sieg: Japans Rückkehr zur Stärke
Bildquelle: NiUS

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Menschen sich die Namen ausländischer Regierungschefs einfach so zu merken beginnen. Eine Faustregel könnte sein, dass die Notwendigkeit dafür mit der gefühlten Entfernung abnimmt (wer weiß, wie der neue Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt heißt?). Schafft es doch einmal ein ausländischer Politiker in das allgemeine Namensgedächtnis, ist er wichtig. Er – oder sie.

Japans alte und neue Premierministerin Sanae Takaichi ist am Montagmorgen in allen Schlagzeilen auch westlicher Medien zuhause, nachdem ihr ein fulminanter Wahlsieg gelang. Diesem Erdrutschsieg wohnt ein gewaltiges geopolitisches Potential inne.

Man muss sich zügeln, es mit den Vergleichen nicht zu übertreiben, doch kann man sich bei der Betrachtung der Wahlsiegerin eines Margaret-Thatcher-Vergleiches nicht erwehren. Sanae Takaichi ist hochgebildet und bringt politische Erfahrung und Geschick mit, vereint wirtschaftliche Reformagenda mit außenpolitischem Granit. Sie pflegt einen entschieden national-bürgerlichen Auftritt und sucht demonstrativ die Nähe zu den USA. Der Eindruck einer asiatischen „Eisernen Lady“ entsteht wie selbstverständlich, gut möglich, dass die Japanerin ihn auch diplomatisch wird zu nutzen wissen. Wieder einmal scheint sich auch das ungeschriebene politische Naturgesetz zu bestätigen, dass es meist nicht-linke Parteien sind, die Frauen schlussendlich zur Macht verhelfen.

Innerhalb von vier Monaten im Amt hat es Takaichi geschafft, zu einem der populärsten Politiker der jüngeren Geschichte zu werden. Die erste Frau im Amt der japanischen Premierministerin überhaupt führte ihre klar nationalkonservativ ausgerichtete Partei zu einer komfortablen Zweidrittelmehrheit, welche die Überarbeitung der japanischen Verfassung ermöglicht – seit Jahrzehnten zentraler Dreh- und Angelpunkt programmatischer öffentlicher Debatten. Der Kern dieser Verfassungsdiskussion wiederum sind Umfang der Streitkräfte, außenpolitische Selbstverortung und das Selbstverständnis des japanischen Nationalcharakters in der Nachkriegsordnung, harter Tobak also. Um einen wirkungsvollen Blick in eine mögliche Zukunft werfen zu können, bedarf es zunächst einer Herleitung der geopolitischen Lage Japans zum jetzigen Zeitpunkt.

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