Nach scharfer öffentlicher Kritik wird das Land Berlin nun doch die Hotelrechnungen von vom Stromausfall betroffenen Anwohnern vollständig übernehmen. Das erfuhr die Zeitung Welt vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf. Demnach können entstehende Übernachtungskosten im Nachhinein vom Amt für Soziales erstattet werden, sofern die Hotelrechnung, ein Nachweis der persönlichen Betroffenheit sowie ein gültiger Identitätsnachweis eingereicht werden, heißt es vom Bezirksamt. Ferner verweist man weiterhin auf die Notunterkünfte als Ausweichmöglichkeit zur Hotelbuchung.
Am Montag hatte die Berliner Politik noch nicht zahlen wollen und dafür heftige Kritik einstecken müssen: Zu Beginn der Woche, zwei Tage nach dem großen Stromausfall, hatte der Berliner Senat in Zusammenarbeit mit den „visitBerlin-Partnerhotels“ die Aktion „Berliner Hotels für die Berlinerinnen und Berliner“ gestartet. Die Energiesenatorin Franziska Giffey kündigte dafür auf Instagram an: „Die Hotelzimmer können bis zur vollständigen Behebung des Schadens und zur Wiederherstellung der Stromversorgung zu Sonderkonditionen (ab 70 Euro pro Doppelzimmer inkl. Frühstück) gemietet werden.“ Eine aktuelle Liste der teilnehmenden Hotels kann unter www.visitberlinpartnerhotelsev.de eingesehen werden. Bei der Buchung muss der Code „Stromausfall“ eingegeben werden, um den Rabatt in Anspruch zu nehmen. Giffey schrieb weiter: „Das Land Berlin verzichtet in all diesen Fällen auf die Erhebung der City Tax. Das zeugt vom großen Zusammenhalt und der Solidarität, die die Berlinerinnen und Berliner in schwierigen Zeiten immer wieder aufbringen.“ Am Montag sagte dann auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner auf einer Pressekonferenz, dass der Senat bisher nur prüfe, ob die Kosten für die Unterbringung der Berliner in Hotels übernommen werden.
Das Echo aus der Bevölkerung scheint die Lokalpolitik dann doch überzeugt zu haben. Im Internet äußerten nach der Giffey-Aussage zahlreiche Menschen ihren Unmut darüber, dass die vom Stromausfall Betroffenen die Hotelkosten unter Umständen selbst zahlen müssen, während etwa die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen in Hotels vom Land Berlin bezahlt werden. Dabei befinden sich die Kosten in einer ähnlichen Preisspanne. Viele verwiesen auch darauf, dass nur wenige der Betroffenen 70 Euro pro Nacht für ein Hotel aufbringen können. Weiter kam es dann sogar auch noch zu Schwierigkeiten mit dem Rabattcode: Auf X berichteten Nutzer davon, dass der Rabattcode „Stromausfall“ bei ihrer Buchung nicht funktioniert habe. Ein stichprobenartiger Test von Apollo News zeigte, dass einige der teilnehmenden Hotels den Code scheinbar nicht unterstützen. Weitere Nutzer wiesen darauf hin, dass Hotelzimmer unabhängig von der Aktion auch günstiger gebucht werden können. Die a&o Hostels nehmen beispielsweise auch an der Aktion teil. Mehrbettzimmer mit vier oder acht Personen bekommt man regulär bereits ab 14 Euro pro Person und Nacht.
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