Ostdeutsche Bauern versammelten sich am Donnerstag erneut, um gegen das umstrittene Mercosur-Freihandelsabkommen der EU zu protestieren. Landwirte blockierten Autobahnauffahrten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, um ihrer Ablehnung gegen das Abkommen Ausdruck zu verleihen. Viele sind frustriert und besorgt um ihre Zukunft, berichtet die Berliner Zeitung.Am Freitag stimmte die Mehrheit der EU-Länder für das Agrarabkommen mit dem Mercosur-Block südamerikanischer Länder. Führender Gegner des Abkommens ist Frankreich, das als Europas größter Agrarproduzent befürchtet, billige Agrarimporte aus den lateinamerikanischen Ländern könnten wegen der lockeren Umwelt- und Produktionsstandards französische Bauern stark benachteiligen. Auch Polen, Ungarn, Österreich und Irland stimmten gegen das größte Handelsabkommen der EU-Geschichte. Belgien enthielt sich der Stimme. Entscheidend war die Stimme Italiens, das für den Deal stimmte, nachdem ihm Zugeständnisse der EU-Kommission für die Landwirte zugesagt worden waren.Die Zustimmung ebnet nun den Weg für einen zollfreien Handel mit südamerikanischen Ländern. Produkte wie Rindfleisch, Soja und Agrarrohstoffe sollen nun zollfrei aus Ländern wie Brasilien oder Argentinien nach Europa importiert werden. „Wenn jetzt die Märkte mit Produkten aus Brasilien oder Argentinien überschwemmt werden, sehen wir unsere Existenz in Gefahr“, so ein Landwirt gegenüber der Berliner Zeitung und fügte hinzu: „Hier gelten strenge Regeln für Düngung, Pflanzenschutz und Tierhaltung. Dort gibt es andere Maßstäbe.“Auch die Auswirkungen auf das Klima wirken widersprüchlich. Während europäische Landwirte mit Vorschriften zur CO₂-Reduktion und Klimazielen konfrontiert werden, sollen in Zukunft Lebensmittel über Tausende Kilometer aus Ländern transportiert werden, die sich nur an geringe Vorschriften halten müssen. „Wir holen Essen aus der halben Welt, wissen aber nicht genau, was drin ist“, beklagte er weiter.Wegen des geringen Einflusses auf die Politik fragen sich manche, ob der ruhige Protest ausreicht, um die Regierung zum Handeln zu zwingen. „Wir wollen eigentlich nicht strafbar werden und wir wollen den Leuten auch nicht wehtun“, betonte der Bauer. „Wir wollen einfach nur friedlich demonstrieren, aber der Nachdruck fehlt uns. Warten Sie darauf, dass wir radikal werden, oder was?“, erklärte der Landwirt.Das erscheint jedoch als unwahrscheinlich. Bundeskanzler Friedrich Merz ist ein großer Befürworter des Mercosur-Deals. Die Zustimmung begrüßte er und beklagte die lange Dauer der Verhandlungen. „25 Jahre Verhandlungen waren zu lang.“ Die Unterzeichnung des Abkommens bezeichnete er als „Meilenstein der europäischen Handelspolitik und wichtiges Signal unserer strategischen Souveränität und Handlungsfähigkeit.“Eine Kehrtwende scheint derzeit unwahrscheinlich, Frankreich deutete jedoch an, gegen die Entscheidung weiter anzukämpfen. Die französische Landwirtschaftsministerin Annie Genevard erklärte, der Kampf sei noch nicht vorbei, und kündigte an, sich für die Ablehnung durch die EU-Vollversammlung einzusetzen, wo ein knappes Abstimmungsergebnis erwartet wird, berichtet die Financial Times.
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