In diesem Jahr beginnt der Ramadan in jener Nacht, in der im Christentum mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Eine seltene Kalenderkoinzidenz. Bundeskanzler Friedrich Merz wünscht öffentlich: „Für den Ramadan eine friedliche Zeit. Ramadan Mubarak!“ Er spricht von Vielfalt, Respekt und friedlichem Miteinander.
Und doch entsteht bei manchem ein diffuses Unbehagen: Warum wirkt das christliche Fasten im öffentlichen Raum so unsichtbar? Warum scheint es weniger artikuliert und weniger politisch gewürdigt – obwohl das Christentum historisch die prägende Kultur Mitteleuropas ist? Die Antwort ist komplexer als ein bloßer Vorwurf der „Zurückdrängung“.
Jeden Abend beschert die muslimische Fastenzeit einen klar erkennbaren Moment: Wenn bei Sonnenuntergang das Fasten gebrochen wird, kommen Familien zusammen, Moscheen füllen sich, in den Nachrichten wird erklärt, wann der Mond gesichtet wurde. Wer fastet, tut es gemeinsam. Wer nicht fastet, bekommt es trotzdem mit. Der Monat trägt sich praktisch selbst nach außen.
Die christliche Fastenzeit lebt weniger vom gemeinsamen Ereignis als von der persönlichen Auseinandersetzung mit sich selbst. Sie erinnert an die 40 Tage, die Jesus nach den Evangelien in der Wüste verbrachte und lädt dazu ein, Gewohnheiten zu prüfen, Schuld zu bedenken und sich neu auszurichten. Wer fastet, tut es eben oft still – im Gebet und im Verzicht, den andere kaum bemerken: weniger Fleisch, weniger Alkohol, bewusster leben.
Und doch prägt das Christentum weiterhin den Takt dieses Landes. Die Feiertage richten sich nach Ostern und Weihnachten. Die Schulferien folgen dem Kirchenjahr. Der gregorianische Kalender, nach dem wir zählen, stammt genau aus dieser Tradition. Vielleicht liegt genau darin das Paradox. Was über Jahrhunderte selbstverständlich war, muss sich nicht mehr erklären. Die christliche Prägung verhält sich nur noch wie ein Hintergrundrauschen.
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