Realitätsleugnung: Merkels Grenzöffnung aus dem Blickwinkel der ARD

vor 11 Monaten

Realitätsleugnung: Merkels Grenzöffnung aus dem Blickwinkel der ARD
Bildquelle: Tichys Einblick

Zum zehnten Mal jährt sich die Grenzöffnung von 2015. Ein Anlass für die ARD, die Vorgänge von damals in einem Podcast zu beleuchten. Merkels legendärer Spruch „Wir schaffen das!“ wird im Titel flankiert von einem Slogan, der einem Refugee-Plakat entliehen ist: „Danke, Merkel!?“. Das Differenziertheit andeutende Fragezeichen hätten sich die Podcast-Autoren indes sparen können, denn von Zweifel ist in den drei Episoden aus der Reihe „Die Entscheidung. Politik, die uns bis heute prägt“ nicht zu spüren. Ein grob zusammengezimmertes Kammerspiel von der gütigen Königin und ihrem getreuen Ritter, einem reuigen Bösewicht, einem standhaften Landgrafen und einem edlen maurischen Knappen. Und natürlich vielen „rechten Orks“.

Die Inhaltsangabe in der ARD-Audiothek lässt uns nicht im Unklaren darüber, wie wir uns zu dem Thema zu positionieren haben:

„Es ist der Abend des 4. September 2015. Angela Merkel steht unter Druck. Sie muss eine Entscheidung treffen. Denn von Ungarn aus haben sich tausende Menschen zu Fuß auf den Weg gemacht. Über die Autobahn wollen sie nach Österreich und Deutschland. Viele von ihnen sind vor dem Krieg aus Syrien geflohen. Unter ihnen ist auch Tareq Alaows, ein junger Syrer, Jurist und Mitarbeiter des roten Halbmonds. Für ein Leben in Sicherheit hat er eine lebensgefährliche Flucht auf sich genommen. Was soll mit diesen Menschen an der Grenze passieren? Angela Merkel muss entscheiden, ob Deutschland sie aufnimmt. Es ist eine Entscheidung, die sie mit dem Rücken zur Wand trifft. Die Menschen aufzuhalten und abzuweisen, das sei keine realistische Option gewesen, sagt Volker Kauder heute, damals Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und enger Merkel-Vertrauter. Doch das sehen nicht alle in der Union so.“

Die erste Folge beginnt mit dem anklagenden Klingeln eines Telefons, angeblich direkt beim bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der es einfach bimmeln lässt. Die Sendung stellt die Behauptung in den Raum, Seehofer habe den Anruf von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich angeblich sein Okay für die Grenzöffnung holen wollte, schuldhaft ignoriert. Man meint förmlich zu sehen, wie der Ministerpräsident sich ärgerlich im Bett wegdreht. Erst im zweiten Teil der Sendung wird erläutert, dass Seehofer selbst behauptet habe, das Handy sei über Nacht abgeschaltet gewesen.

Die „host“ (engl. Gastgeberin) Jasmin Brock und ihr ebenso unbekümmert drauflos kommentierender co-host Hannes Kunz ordnen medial ein. Brock: „Hannes und ich erzählen zwei Geschichten, die eng aufeinander zulaufen … um diese Entscheidung (Angela Merkels, Anm.) zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie die Stimmung damals in Deutschland war …“: In einem Schleuserfahrzeug habe man 71 Tote, darunter 4 Kinder entdeckt, die erstickt waren und dann gibt es da noch dieses eine Foto – ein Kind, ertrunken im Mittelmeer … Dieses Foto mache Hannes auch „zehn Jahre später noch fertig“.

Anmoderation wie beim „Raumschiff Enterprise“, Captain Angela D. Merkel betritt die Brücke: „Wir schreiben das Jahr 2015. Angela Merkel ist in ihrer dritten Amtszeit, fest im Sattel, beliebt, gilt seit Jahren als mächtigste Frau der Welt … immer mehr Menschen kommen nach Deutschland, um hier Schutz zu suchen …“.

„Germany, Germany“-Sprechchöre im August 2015 – wie reagiert Merkel auf diese Rufe? Bei der Kanzlerin löst das etwas aus: Es geht um Menschen und Schicksale, nicht um Zahlen. Sie habe ein klares Bekenntnis zur Solidarität und zur Menschlichkeit abgeben wollen. Und dann ist da noch Pegida, ein Mob randaliert mehrere Woche lang, Neonazis versammeln sich, um gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu mobilisieren. Und dann die Bilder aus Ungarn. Menschen, die sich auf Bahngleise werfen, die ihre Ausreise nach Deutschland oder Österreich erreichen wollen.

„Trotz der Sommerpause und einem vollen Terminkalender, und während Tausende auf der Autobahn Richtung Deutschland marschieren“, sei bei der Kanzlerin „business as usual auf dem Programm gestanden“, predigt der Podcast.

Brock: „Ob Angela Merkel empathisch und damit genau richtig“ gehandelt … oder ob „die Art und Weise viele überfordert hat … es prallt vieles aufeinander … Ängste, Chaos in den Behörden und das Gefühl, dass das so nicht funktioniert und eine damals noch junge Partei (gemeint ist natürlich die AfD, Anm.), die nun ihr Thema gefunden hat“.

Publisher Logo

Dieser Artikel ist von Tichys Einblick

Klicke den folgenden Button, um den Artikel auf der Website von Tichys Einblick zu lesen.

Weitere Artikel