Lange Zeit dominierten in den Talkshows der Pandemie regierungstreue Stimmen: Kritiker, Mahner, Zweifler – sie kamen, wenn überhaupt, nur am Rand vor und wurden als ‚Schwurbler‘ verunglimpft. Die politischen Maßnahmen – von der 2G-Regel über die Ausgrenzung Ungeimpfter bis hin zur Impfpflicht – galten als alternativlos. Impfschäden? Wurden entweder geleugnet oder verharmlost
Doch das ist Vergangenheit – jedenfalls bei Markus Lanz, wo sich am Donnerstagabend etwas wahrlich Spektakuläres abspielte. NIUS zeigt, warum die Sendung dem Anspruch einer echten Corona-Aufarbeitung gerecht wurde.
Plötzlich sind es Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die frühere Ethikratsvorsitzende Alena Buyx, die sich erklären, rechtfertigen, verteidigen müssen. Und auf der anderen Seite sitzen drei kritische Virologen mit hoher wissenschaftlicher Reputation, die sich schon während der Corona-Zeit tendenziell kritisch äußerten: Alexander Kekulé, Hendrik Streeck, Jonas Schmidt-Chanasit. Es ist eine Konstellation, die das gewohnte deutsche Talk-Muster – viele Regierungsbefürworter gegen wenige Regierungskritiker – umkehrte. Weil sich auch Markus Lanz in einen Regierungskritiker verwandelte, bekam der Zuschauer im Ergebnis vor Augen geführt: Die Kritiker hatten Recht. Die Unterstützer von Corona-Impfung und Pandemiemaßnahmen lagen falsch.
Eines der wohl treffendsten Statements kam von Virologe Hendrik Streeck. Streeck sprach davon, dass in der Pandemie „sehr verkürzt“ kommuniziert wurde – zu eindimensional und absolut. Der heutige Vertrauensverlust in Politik fiel nicht vom Himmel, sondern Ergebnis einer jahrelangen, fehlerhaften Kommunikation. Es sei versäumt worden, in wichtigen Punkten Transparenz zu schaffen: bei der Behauptung, Impfungen seien „nebenwirkungsfrei“ (Lauterbach), bei der Aussage, Geimpfte würden das Virus nicht weitergeben, oder zuletzt beim viel diskutierten BND-Bericht zur Laborhypothese. Viele Dinge, die zunächst als „Verschwörungstheorie“ abgetan wurden, die sich im Nachhinein als doch irgendwie oder zumindest teilweise richtig herausgestellt haben. Damit habe man „befeuert, dass sich ein Teil der Bevölkerung abspaltet und sagt der Regierung kann man nicht mehr trauen oder nicht mehr ganz vertrauen.“
Einer der härtesten Wortwechsel des Abends entwickelte sich rund um das Thema der Sicherheit der Corona-Impfstoffe – und die Frage, wie viel man damals wirklich wusste. Ethikrat-Chefin Alena Buyx verteidigte vehement die Linie, dass „alles über die Sicherheit der Impfung“ bekannt gewesen sei. Ein Mythos, den Virologe Alexander Kekulé frontal angriff. Zunächst erinnerte er daran, dass die Impfstoffe von Anfang an nur bedingt zugelassen waren. Spahn habe das verschleiert, der die Zulassung „unglücklicherweise immer als endgültige Zulassung bezeichnet hat“. Der Impfstoff war also „von Anfang an mit Fragezeichen versehen“, sagte er. „Natürlich gab es eine lange Liste von Fragen, die noch offen waren“, betonte Kekulé. Diese offenen Punkte sollten von den Herstellern im Rahmen der sogenannten Post-Marketing-Phase weiter untersucht werden. Die Behauptung, man habe „alles gewusst“ über diese Impfstoffe, sei schlicht falsch.
Doch damit nicht genug. Kekulé widerlegte den Mythos der Allwissenheit anhand Buyx‘ eigener Falschaussage, nämlich der Behauptung, die mRNA aus dem Impfstoff sei nach zwei Wochen vollständig aus dem Körper verschwunden. Es sei falsch gewesen, dass viele schlicht das wiederholt hätten, was die Hersteller gesagt hätten – etwa: „Die Messenger-RNA ist nach zwei Wochen nicht mehr nachweisbar.“ Genau das hatte Buyx gesagt:
Kekulé verwies auf eine aktuelle Studie einer renommierten Wissenschaftlerin der Yale-Universität – mehrfach ausgezeichnet, auch in Deutschland –, die gezeigt habe, dass selbst Monate nach der Impfung noch aktive RNA im Körper nachweisbar sei. „Das Antigen, das durch die Impfung produziert wird, ist also auch nach längerer Zeit noch messbar,“ erklärte Kekulé. Das werfe ernste Fragen auf – etwa über mögliche Zusammenhänge mit dem Post-Vac- oder Post-Covid-Syndrom. „Da können Sie nicht einfach sagen: Das ist alles erforscht, wir kennen das, da kann nichts passieren.“
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











