Bei der Kreuzberger Initiative zur Vertreibung von Nius aus dem „Kiez“ macht man auch vor der Veröffentlichung von Privatadressen nicht halt, gefolgt von der Aufforderung: „Also schaut doch gerne mal vorbei“. Es ist ein offener Gewaltaufruf, der am Freitag im bezirkseigenen Dragoner-Areal stattfindet, in dem die Initiative mietfrei tagen kann; darüber berichtet das Medium selbst. Auf dem Plakat zur Veranstaltung zertrümmert eine Faust das Nius-Logo. Zuvor hatte eine andere Initiative das Nius-Büro mit einer großen roten Aufstell-Wegmarke „markiert“.
Trotz dieser direkten Vorbereitung von Gewalt gegen ein Presseorgan bleibt es medial still. Bei Google News findet sich ein einziger Presseartikel dazu, von der taz. Er beginnt mit einer absatzlangen, genüsslichen Feinbeschreibung der genauen Adresse des Medienunternehmens. Das Vorhaben wird als nette Anwohnerinitiative vorgestellt.
Einer dieser vorgestellten Initiativ-Anwohner stellt gleich klar, wer das eigentliche Opfer ist: „Wir wollten deutlich machen, dass Nius für uns als Anwohner:innen eine Bedrohung darstellt“. Wie genau diese Bedrohung aussieht, wird nicht gesagt. Es ist die klassische Pose: Weinerlichkeit und pathetisches Opfer-Getue entsichern die Genossen zur Gewaltbereitschaft. Zu wahrer Brutalität sind schließlich nur die schwächsten Charaktere fähig. Unvergessen sind die Szenen, als man bei den George-Floyd-Protesten in Berlin Flaschen auf die Polizei warf und im gleichen Atemzug skandierte: „Wir sind friedlich, was seid ihr?“.
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