Bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts stellte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche klar, dass die Bundesregierung für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), von ein Prozent ausgeht. Noch im Herbst hatte Reiche ein Plus von 1,3 Prozent prognostiziert. Dass die Große Koalition ihre Einschätzung nun nach unten korrigiert, war jedoch absehbar. Im Vergleich zu den Prognosen zahlreicher anderer Wirtschafts- und Finanzinstitute wirkte die ursprüngliche Annahme als zu optimistisch.
LBBW Research rechnet für 2026 lediglich mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Das Münchener ifo-Institut teilt diese Einschätzung. „Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und mit hohen Kosten an“, erklärte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser in einer Stellungnahme. „Zusätzlich werden Unternehmen und insbesondere Neugründungen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert.“ Noch pessimistischer zeigt sich die Bundesbank, die lediglich ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent erwartet.
Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Jahren wiederholt überhöhte Prognosen abgegeben, die im weiteren Verlauf nach unten korrigiert werden mussten. So auch für das Jahr 2025. Im Herbst 2024 war die Regierung für das Gesamtjahr 2025 noch von einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen. Im Januar 2025 erklärte der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck jedoch, dass nur noch ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet werde – am Ende stand für das Gesamtjahr 2025 lediglich ein Plus von 0,2 Prozent.
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