Morgen Nachmittag findet im Berliner Tiergarten eine Veranstaltung statt, die im politischen Berlin als Menetekel für die Kanzlerschaft von Friedrich Merz (CDU) gewertet wird: die Wahl des neuen Vorsitzenden der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Der bisherige Chef und ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (77, CDU) tritt nicht wieder an, und es gilt in der Union schon als bemerkenswert, dass die Wahl des Nachfolgers tatsächlich eine Wahl ist, bei der zwei Kandidaten zur Auswahl stehen und nicht nur der Favorit des Parteichefs von den 55 Vertretern der Mitgliederversammlung durchgewinkt wird.
Machtpolitisch ist die Personalie unbedeutend. Der KAS-Chef kann dem Kanzler kaum in die Parade fahren, hat im Kabinett nichts mitzureden und könnte höchstens durch das weltanschauliche Profil der Stiftung Akzente gegen Partei- und Regierungsspitze setzen, die aber in der Regel nur von politischen Feinschmeckern registriert werden und den Kanzler nicht groß jucken müssen. Dass die Wahl dennoch so aufgeladen ist und mit Spannung verfolgt wird, liegt am beliebten Journalistensport der Kaffeesatzleserei: 2017 gelang es Kanzlerin a. D. Angela Merkel (CDU) nicht, ihre Favoritin Annette Schavan durchzusetzen, weil diese kurz zuvor wegen Plagiatsvorwürfen gegenüber ihrer Doktorarbeit als Bildungsministerin hatte zurücktreten müssen. Der Vorgang gilt bei den politischen Auguren als Beginn des Machtverfalls der Kanzlerin.
Der Vorsitzende der Stiftung, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, und der israelische Botschafter Ron Prosor
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