Deutschland ist hoch verschuldet. Ende 2025 betrug die Gesamtverschuldung von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung 2,55 Billionen Euro, was 62,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Damit ist Deutschland deutlich weniger hoch verschuldet als Frankreich, das mit 3,5 Billionen Euro in der Kreide steht (116 Prozent vom BIP), oder die USA (35 Billionen Euro, 123 Prozent vom BIP) oder Schuldenweltmeister Japan (8,4 Billionen Euro, 235 Prozent vom BIP) – trotzdem ist die deutsche Schuldenlast viel zu hoch und kostet in Form von Zinszahlungen extrem viel Geld. Im vergangenen Jahr betrug beispielsweise der Schuldendienst des Bundes, also die Summe der Zinszahlungen auf die Bundesschuld, 37 Milliarden Euro – das ist nahezu drei Viertel des Verteidigungshaushaltes (ohne Sondervermögen).
Das Interessante bei allen Diskussionen über unsere Staatsverschuldung ist nun die Tatsache, dass immer so getan wird, als würde die Bundesschuld, wie der Begriff sagt, nur den Bund betreffen. Das ist aber keineswegs der Fall: Die Bundesschuld besteht bei genauerem Hinsehen aus der Summe der Schulden von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherung. Zum Stichtag Ende 2025 betrug die gesamtstaatliche Verschuldung Deutschlands konsolidiert 2,55 Billionen Euro; davon entfallen 1,78 Billionen Euro (68 Prozent) auf den Bund, 615 Milliarden Euro (24 Prozent) auf die Länder, 175 Milliarden Euro (7 Prozent) auf die Kommunen sowie 40 Milliarden Euro (2 Prozent) auf die Sozialversicherung.
Nun könnte man meinen, dass die Schulden der Kommunen, die ja nur lumpige sieben Prozent der Gesamtschulden ausmachen, kaum ins Gewicht fallen, da sie im dauernden Schuldenrauschen untergehen – aber weit gefehlt! Die Schulden der Kommunen spielen im Alltag der Bürger eine enorme Rolle und wirken sich auf das Leben des Einzelnen stärker aus als die Bundesschulden.
Beispiele gefällig? Es gibt Hunderte. Hier eine Auswahl: Die Schulden der Kommunen sind die Hauptursache für die Schlaglochpisten in vielen Städten und Gemeinden, für die maroden Brücken innerorts und für all die Kindergärten und Schulen mit undichten Dächern, kaputten Toiletten und den Computern von anno Tobak. Weil die Kommunen kein Geld mehr haben, fördern sie Vereine, Volkshochschulen und Musikschulen nicht mehr, kürzen bei der Seniorenarbeit und bei Fußballclubs. Wegen der katastrophalen Finanzlage vieler Kommunen verwahrlosen die Parks, verfallen die Spielplätze, verludern die Museen – oder werden gleich ganz geschlossen. Weil haufenweise Städte, Dörfer und Gemeinden bankrott sind, steigen die Kita-, Park-, Müll- und Abwassergebühren kontinuierlich und es explodieren die Kosten für die Straßenreinigung und sogar die Friedhofsgebühren. Weil viele Gemeinden und Städte finanziell am Abgrund stehen, steigen die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuern andauernd, allein die Grundsteuer hat sich in vielen Orten in den letzten zehn Jahren verdoppelt – was nebenbei der wahre Grund für die Grundsteuerreform gewesen ist und nicht der endlos kolportierte Vorwand, die alte Grundsteuer sei verfassungswidrig gewesen.
Die Schulden der Kommunen sind die Hauptursache für die Schlaglochpisten in vielen Städten und Gemeinden.
Die grausige Finanzlage vieler Kommunen, ihre massive Verschuldung und die daraus resultierenden Einschränkungen vieler Leistungen beeinträchtigen das echte, alltägliche Leben vieler Menschen viel mehr als die kampfunfähige Bundeswehr, das fehlende deutsche Raumfahrtprogramm oder ausbleibende Nobelpreise für deutsche Forscher. In den maroden Kommunen und ihrer verfallenden Infrastruktur spielt sich das Alltagsleben der Deutschen ab, das trotz der höchsten Steuern der Welt, der höchsten Sozialabgaben und der höchsten Strompreise allem Anschein nach nie mehr besser, sondern immer nur noch schlechter wird. Ohne viel Kritik, befangen im ewig gleichen Trott zwischen vollen Mülleimern, dreckigen Innenstädten und verwahrlosten Ghettobereichen bleibt insbesondere Rentnern und Armen nur ein ewiger Kreislauf zwischen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











