Die Kommunalwahlen in Frankreich galten für das patriotische Lager um den Rassemblement National (RN) als möglicher Stimmungstest und zugleich als Blaupause für die kommenden Präsidentschaftswahlen. Dabei sollte sich zeigen, ob das Land bereit ist, mit dem bisherigen politischen Status quo zu brechen. Einen ersten Stresstest bestand die Partei nun – auch wenn ein Erdrutschsieg ausblieb, könnte das politische Beben im Wahljahr 2027 umso stärker und überraschender ausfallen.
Der RN konnte bei den Kommunalwahlen am Sonntag deutlich hinzugewinnen. Marine Le Pens Partei liegt nach letztem Stand im ersten Wahlgang in 58 Kommunen vorn – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2020, als es lediglich elf waren. Überraschend dabei: Der Partei gelang es, sich in vermeintlichen linken Hochburgen zu etablieren, allen voran in Marseille, Frankreichs zweitgrößter Stadt. Die Stadt wird derzeit von einem links-grünen Bündnis regiert. RN-Kandidat Franck Allisio liegt laut Umfragen praktisch gleichauf mit dem sozialistischen Amtsinhaber Benoît Payan.
Gerade Marseille zeigt die politische Bedeutung dieser Wahl für den RN. Die Stadt gilt seit Jahren als Beispiel für eine gescheiterte Migrationspolitik. Fast jeder fünfte Einwohner Marseilles ist ein afrikanischer Migrant, viele davon sind Teil krimineller Banden. Allgemein hat die Küstenstadt seit Jahren ein ausgeprägtes Problem mit Drogenhandel und Gewalt zwischen rivalisierenden Gruppen. In den vergangenen Jahren gab es über 300 drogenbezogene Tötungen in der Region.
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