Klartext statt Menschenfurcht: Ist die Kirche zurück?

vor 12 Monaten

Klartext statt Menschenfurcht: Ist die Kirche zurück?
Bildquelle: Tichys Einblick

Bereits am 2. Juli hatte sich der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, besorgt über die anstehende Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin gezeigt. Größere Aufmerksamkeit erzeugten dann aber erst die Wortmeldungen einer ganzen Reihe von katholischen Bischöfen – und wurden prompt mit medialem und politischem Widerspruch bedacht.

Aus der SPD heraus bezeichnete der Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch den Protest der Bischöfe als „unchristlich“. Kirche darf politisch sein – aber doch nicht so! Der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil, Kirchenbeauftragter der SPD-Fraktion im Bundestag, versuchte es versöhnlicher, und bot der Kirche einen Dialog an, „auf Augenhöhe, mit gegenseitigem Respekt und im Bewusstsein der jeweiligen Verantwortung“. Beim Spiegel ist man derweil sauer über den prononcierten Widerstand und ist der Ansicht, die Kirche gehe die Wahl der Verfassungsrichter „nichts an“. Ist das so?

Mitnichten. Die Kirche muss sich – ob es gefällt oder nicht – in Politik und Gesellschaft einbringen, weil der katholische Glaube nicht diffuse Spiritualität bedeutet, sondern die gesamte Realität, die „sichtbare und die unsichtbare“, erfasst und umfasst. Eine Kirche, die sich nicht politisch äußert, würde belegen, dass sie gar nicht glaubt, was sie zu glauben vorgibt. Wenn Kirche nicht Anstoß erregt, nicht aufzeigt, wo die Gesellschaft abdriftet, auch, wenn es keiner hören will, hat sie ihren Auftrag verfehlt. Das gilt für linke wie rechte Irrwege gleichermaßen.

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