Die beim NDR geschasste Julia Ruhs ist zurück – mit einer vom Bayerischen Rundfunk (BR) produzierten Ausgabe von „Klar“. Und wieder mit einem explosiven Thema, mit dem man sich in die Nesseln setzen kann: „Wo Islamisten Deutschland unterwandern“. Viele Aspekte werden nur angerissen, aber immerhin Ross und Reiter genannt.
Diese zweite Folge der Staffel war mit Spannung erwartet worden, weil Ruhs wegen des Beitrags „Migration: was falsch läuft“ vor einem Jahr auch die durch Zuwanderung ausgelösten Gewalttaten zum Thema gemacht und damit Empörung bei den eigenen Kollegen ausgelöst hatte. Um sie abzusägen, schob der Sender vermeintliche qualitative Mängel vor.
Mit der früheren Bild-Chefredakteurin Tanit Koch fand man Ersatz. Sie brachte es fertig, bei ihrer Premiere im Beitrag „Zielscheibe Polizei: Pöbeln, Hass und Gewalt“ Ross und Reiter zu ignorieren, indem sie alle heiklen Begriffe (Migration, Muslime, Islam, Ausländer oder Zuwanderung) weiträumig umfuhr. Selbst das Wort Islamismus fiel nicht, es wurde unter „ausländische Ideologien“ verbucht, und gewalttätige Muslime kamen nur ein paar Minuten am Rande vor, während anderen Tätergruppen ein Mehrfaches an Sendezeit zuteil wurde.
Zu migrationskritisch für den NDR: Julia Ruhs.
Dagegen widmete Julia Ruhs dem Islamismus eine eigene Sendung: 30 Minuten, die diese gefährliche Ideologie mit Religionsvordergrund allerdings nicht breitflächig, sondern eher schlaglichtartig ausleuchteten. Schon zu Beginn wurde pflichtschuldigst beteuert: „Diese Folge blickt nicht auf den Islam als Religion“, moderierte Julia Ruhs den Begriff vorsorglich an, „sondern auf seine extremistische Auslegung, den Islamismus“. Aber immerhin, Ruhs hätte sich auch ein weniger explosives Thema für ihr Comeback aussuchen können.
Sie ging es dann vorsichtig an: Die Protagonisten der Reportage sind fast durchweg Menschen mit Migrationshintergrund und islamischen Glaubens – sowohl die Täter als auch die Aktivisten, die Mahner und die Opfer. Bis auf ein paar Schulkinder, die im Fastenmonat Ramadan Anfeindungen ausgesetzt werden und denen muslimische Mitschüler dann schon mal die Brotzeit-Boxen wegnehmen, ist es eigentlich nur ein Realschullehrer: Rolf Haßelkus erzählt, wie er einmal mit seinen Schülern über Toleranz und Meinungsfreiheit sprechen wollte und ihnen Karikaturen zum Christentum und auch aus Charlie Hebdo zeigte. Am nächsten Morgen hatte jemand auf die Tafel geschrieben: „Auch dich kriegt der IS.“ Das habe ihn geschockt und ihm auch Angst gemacht.
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