Die FDP scheitert in Baden-Württemberg und verliert ihre frühere politische Bedeutung. Fehlende Akzente in der Koalitionsarbeit, polarisierende Auftritte und die Vernachlässigung liberaler Grundsätze haben das Vertrauen der Wähler geschwächt. Die Partei ist nicht länger das Zünglein an der Waage und kämpft um ihre Existenz.
Nun also auch noch Baden-Württemberg: Mit 4,4 Prozent verfehlte die FDP den Wiedereinzug in den Landtag jenes Bundeslandes, in dem sie bislang immer vertreten war. Noch 2021 gewann sie mit 10,5 Prozent 18 Sitze im Landesparlament und war wie auch im Bund eine durchaus relevante politische Kraft. Ihre bisherige Stärke in Baden-Württemberg hatte auch damit zu tun, dass das Land neben Bayern wirtschaftlich immer gut dastand und somit einen breiten und wohlhabenden Mittelstand hervorbrachte, der die hauptsächliche (frühere) Wählerklientel der FDP darstellte.
Dass es diesmal nicht einmal für die 5-Prozent-Hürde reichte, ist kein Alarmsignal mehr, sondern der Abgesang für eine Partei, die die Bundesrepublik neben den beiden ehemaligen Volksparteien CDU/CSU und SPD über Jahrzehnte geprägt hat. Ihre verbliebene Anhängerschaft mag einwenden, dass der Zweikampf zwischen dem charismatischen Grünen-Kandidaten Cem Özdemir und dem glücklosen CDU-Kandidaten Manuel Hagel die anderen Parteien aus dem Rampenlicht der Aufmerksamkeit gedrängt hat, aber das hat beispielsweise die AfD nicht daran gehindert, ihre Stimmenanzahl zu verdoppeln. Der Spitzenkandidat der FDP, Hans-Ulrich Rülke, war anders als Hagel durchaus bekannt im Ländle und ist zweifellos nicht der Grund für das Desaster.
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