Am 7. Und 8. März fand in Berlin die Kinderwunschmesse Wish for a baby statt. Eine Veranstaltung, die zweimal jährlich in Deutschland abgehalten wird, und auf der nachweislich für Leihmutterschaft geworben wird, obwohl diese Praxis und ihre Bewerbung in Deutschland illegal ist – Tichys Einblick war im Herbst 2025 inkognito bei der Kölner Edition der Wish for a baby und berichtete über Rechtsverstöße.
Fast zeitgleich lud in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz am Spreeufer die Aktion Lebensrecht für Alle zu einem internationalen Fachkongress zu dem Thema ein. Cornelia Kaminski, Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, zieht Bilanz zum Kongress Kinder und Kommerz.
Tichys Einblick: Frau Kaminski, „Kinder und Kommerz“ war der erste Kongress dieser Art. Welches Fazit ziehen Sie?
Cornelia Kaminski: Aus meiner Sicht war der Kongress ein großer Erfolg: Wir hatten ein volles Haus, hochrangige Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft, Medizin, Politik und Menschenrechtsarbeit – und eine enorme Dichte an Fachwissen auf dem Podium. Dass wir diese Stimmen in Berlin zusammenführen konnten, noch dazu kurz vor der Wish for a Baby Messe, zeigt: Wir haben den Finger genau in die richtige Wunde gelegt und ein Signal gesetzt, das weit über die Lebensrechts-Szene hinausreicht.
Die Beiträge haben sich inhaltlich sehr gut ergänzt, die Atmosphäre war konzentriert und respektvoll, und es war große Betroffenheit spürbar – gerade bei den Erfahrungsberichten von Betroffenen.
Der Kongress fand in Berlin statt, in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz. Was hat Sie dazu bewogen, den Kongress dort durchzuführen?
Wir haben dieses Thema damit nicht nur ins Herz der Hauptstadt getragen, sondern ins Herz der Öffentlichkeitsarbeit der Hauptstadt. In die Bundespressekonferenz, wo die wichtigsten Entscheidungen für diese Republik verkündet und diskutiert werden. Das ist für uns auch ein symbolischer Ort. Wir haben an dieser Stelle investiert, weil das die Botschaft ist, die wir senden wollten: Leihmutterschaft ist ein Thema, das euch Politikern, die ihr da drüben sitzt, in Laufweite, im Bundestag, im Bundeskanzleramt, nicht egal sein darf.
Leihmutterschaft ist in Deutschland illegal. Warum war dieser Kongress aus Ihrer Sicht dennoch notwendig?
Dieser Kongress war notwendig, weil wir eine immer lauter werdende gesellschaftliche Debatte endlich vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Tatsache ist: In Deutschland wird offen für Leihmutterschaft geworben, und Deutsche nehmen im Ausland Leihmutterschaft in Anspruch. Wir müssen uns also mit diesem Thema beschäftigen und dafür sensibilisieren.
Es geht da um zutiefst menschliche Fragen: Um den Schmerz ungewollter Kinderlosigkeit und darum, welche Mittel wir als Gesellschaft für legitim halten, um dem Wunsch nach einem Kind zu begegnen.
Auf der einen Seite steht die sehr reale Not von Paaren und Einzelpersonen, deren Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Diese Sehnsucht ist legitim und verdient Mitgefühl. Auf der anderen Seite stehen Fragen, die sich nicht wegdiskutieren lassen: Was bedeutet es für ein Kind, wenn genetische, austragende und soziale Elternschaft auseinandergerissen werden? Welche Spuren hinterlässt es, wenn die erste, tiefste Bindung, die während der Schwangerschaft zwischen Mutter und Kind entsteht, bewusst vertraglich beendet wird? Was heißt es für Frauen, wenn ihr Körper zur Dienstleistung auf Zeit wird, eingebettet in globale Märkte, in denen wirtschaftlich schwächere Frauen für zahlungskräftige Auftraggeber Kinder austragen? Was ist mit den gesundheitlichen Risiken für Frauen und Kinder? Was bedeutet Leihmutterschaft für die Würde des Menschen?
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