Es gibt Reden, die Mut bezeugen – und solche, die Mut ersetzen. Die Laudatio von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ehemalige Bundesjustizministerin und Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, auf Imam Benjamin Idriz gehört zur zweiten Kategorie. Sie klingt nach Aufklärung, doch sie atmet Beschwichtigung. Sie will Brücken bauen – und zementiert den Irrweg.
Der Thomas-Dehler-Preis, verliehen von der FDP-nahen Thomas-Dehler-Stiftung, ehrt Persönlichkeiten, die sich für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und politische Verantwortung einsetzen – also für genau jene Werte, die der liberale Vordenker Thomas Dehler einst verkörperte.
Umso befremdlicher wirkt die Entscheidung, den Preis ausgerechnet an Imam Benjamin Idriz zu verleihen. Seit Jahren inszeniert er sich als Stimme eines „liberalen Islam“ und als Brückenbauer zwischen den Kulturen – doch seine Bilanz steht in eklatantem Widerspruch zu diesem Bild. In den sozialen Medien stellt er Israels Handeln im Gazastreifen auf eine Stufe mit Srebrenica und Auschwitz, er soll Kontakte zur Muslimbruderschaft gepflegt haben, nutzt antisemitische Narrative und forderte jüdische Gemeinden auf, sich von der israelischen Regierung zu distanzieren.
Solche Gleichsetzungen verzerren die Wirklichkeit, verkehren Opfer und Täter und verhöhnen die historische Verantwortung. Sie verwischen moralische Maßstäbe und untergraben die Einzigartigkeit der Shoah. Wer Israel mit Terrororganisationen gleichsetzt, durch geschichtsvergessene Analogien Auschwitz relativiert oder die Singularität des Holocausts infrage stellt, überschreitet eine moralische und zivilisatorische Grenze und gehört auf die Schulbank, nicht auf die Bühne einer Preisverleihung.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











