Es sollte eine Atempause im kräftezehrenden Dauerkrampf der Regierungskoalition von Kanzler Friedrich Merz (CDU) werden und wurde zum Endzeit-Desaster: Zum ersten Jahrestag des ruckeligen Amtsantritts hatte das Bundespresseamt eine Reihe von Interviews mit dem Kanzler über die ersten Mai-Feiertage geplant. Doch spätestens nach dem Spiegel-Interview („Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen“) und vor allem nach den Reden der beiden SPD-Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas zum 1. Mai ist die Feierstimmung blankem Entsetzen in der Unionsspitze gewichen.
„Ich bin verwundert darüber, welch einfache Antworten manch einer in der deutschen Politik hat“, sagte Klingbeil auf der 76. Maikundgebung in Bergkamen. Dann geht er frontal auf den Kanzler los: Erst hieße es, das große Problem der deutschen Wirtschaft sei, dass die Menschen zu faul sind und nicht genug arbeiten. „Dann hören wir, das große Problem der deutschen Wirtschaft ist, dass sich zu viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu oft krankmelden. Dann hören wir, das Problem der deutschen Wirtschaft ist, dass viele im Lifestyle-Teilzeit festhängen.“
Bärbel Bas (SPD) nutzte den Auftritt am 1. Mai für einen Frontalangriff auf die CDU.
Klingbeil, der noch am Vorabend beim gemeinsamen Wirtshausbesuch in Walsrode Harmonie mit Merz simuliert hatte, greift den Regierungschef ganz offen an: „Wer so über die fleißigen Menschen in diesem Land redet, der hat nicht verstanden, worum es geht.“ Der Kanzler als Dummkopf! Und auch Bas ruft völlig unverhohlen zum Widerstand gegen den Kanzler auf: Der Sozialstaat werde immer öfter „als gewaltiges Problem dargestellt, als nette Geste, auf die man endlich verzichten müsste; als Ballast, den das Land nicht mehr leisten kann. Um es klar zu sagen: Ich halte das für zynisch, menschenverachtend. Und deshalb müssen wir uns dagegen wehren“.
DEUTSCHLAND: Klingbeil präsentiert Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2027 & Finanzplan bis 2030











