Das geleakte AfD-Gutachten des Verfassungsschutzes sorgt noch immer für viel Diskussionen. Ein zentrales Thema im Papier: Antisemitismus. NIUS traf den Vorsitzenden der parteinahen Vereinigung „Juden in der AfD (JAfD)“, Artur Abramovych, um mit ihm über die AfD, vermeintlich antisemitische Chiffre und Äußerungen seiner Parteikollegen zu sprechen.
NIUS: Herr Abramovych, wie groß ist der Verein „Juden in der AfD“ denn nun wirklich? Und welche Relevanz hat die Arbeitsgruppe?
Artur Abramovych: Die Frage nach unserer Größe ging durch die gesamte deutsche Presse, als Alice Weidel sich während des Wahlkampfs im Öffentlich-Rechtlichen vertan und von mehreren Hundert Personen gesprochen hatte. Ich bekam dann täglich Presseanfragen. Um Vollmitglied der Juden in der AfD zu werden, muss man sowohl Jude sein als auch AfD-Mitglied. Das trifft inzwischen auf 26 Personen zu, denn diese Interviews haben uns Neuzugänge beschert. Dann haben wir auch noch die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft, vor allem für Juden, die nicht AfD-Mitglied werden, aber uns unterstützen wollen. Wenn man alle zusammenrechnet, sind wir bei etwa 80 Personen. Wobei man sagen muss, dass nur etwas mehr als ein Promille der deutschen Bevölkerung Juden sind – und in der AfD dürfte das auch auf etwa ein Promille der Mitglieder zutreffen.
NIUS: Wie sehen Sie die Rolle der Juden in der AfD in Ihrer Partei?
Artur Abramovych: Zum einen wollen wir natürlich die Außenwirkung der AfD beeinflussen, und zwar so, dass wir es den Medien und dem politischen Gegner schwer machen, die AfD als antisemitisch darzustellen. Nach unserer Überzeugung ist die AfD keine antisemitische Partei, sondern im Gegenteil die proisraelischste Partei in Deutschland. Natürlich haben wir aber auch eine innerparteiliche Funktion, nämlich als Ansprechpartner bei jüdischen Fragen.
NIUS: Also eine Art Coaching, wie man nicht in antisemitische Fettnäpfchen tritt?
Artur Abramovych: Nein, darum geht es weniger. Es geht vielmehr um Konkretes – die Ausgestaltung von Drucksachen zum Beispiel oder auch die Organisation von Delegationsreisen nach Israel.
Der Verein Juden in der AfD (JAfD) wurde 2018 gegründet.
NIUS: Im Gutachten wird Bezug auf ein Zitat des Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, genommen. Er bezeichnete Sie und die Juden in der AfD als „Feigenblatt“. Tatsächlich verwiesen Alice Weidel oder andere Politiker Ihrer Partei auf die Juden in der AfD, wenn es um Antisemitismusvorwürfe ging. Herr Abramovych, sind Sie ein Feigenblatt?
Artur Abramovych: Der Vorwurf des Feigenblatts und der Instrumentalisierung – wir würden uns durch die Partei instrumentalisieren lassen – begegnet uns seit unserer Gründung. Ja, sogar zwei Wochen vorher, als unsere anstehende Gründung geleaked worden war, gab es den Vorwurf schon, obwohl wir noch gar nicht existierten. In der Politik ist der Sprechakt bereits eine Handlung. Wenn man etwas sagt, eine Position äußert, sich ein Label anheftet, arbeitet man schon für diese Position. Wenn man so will, instrumentalisiert jeder jeden. Wir instrumentalisieren die AfD genauso, wie sie uns instrumentalisiert – wenn man das so sehen will. Ich bin der Meinung: Ob man instrumentalisiert wird oder ein Feigenblatt ist, hängt davon ab, ob man gegen die Interessen der eigenen Gruppe verstößt. Nach meiner Überzeugung ist ein Jude, der sich bei den Grünen engagiert – wo die Forderung nach Israelboykott fast zum Mainstream gehört – weit eher ein Feigenblatt als ein Jude, der sich bei der AfD engagiert. Die Interessen der AfD und die Interessen Deutschlands, für deren Wiederverfolgung sich die AfD einsetzt, gehen eher mit jüdischen Interessen konform als das, was die Grünen vertreten.
Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte | 06.07.2026











