„Egal, wie woke du bist, irgendwann werden die Harpyienschwestern kommen und dich zerfleischen“, sagte einst der kanadische Psychologe Jordan Peterson über die kanadische Autorin Margaret Atwood. Die Grande Dame des Feminismus, die mit „The Handmaid's Tale“ die #MeToo-Bewegung quasi mitgegründet hatte, sah sich 2018 einem Shitstorm ausgesetzt, weil sie es wagte, zu betonen, dass nicht jeder Vorwurf von sexueller Belästigung automatisch mit einer Lynchjustiz gleichzusetzen sei. Plötzlich war die Ikone der Unterdrückten selbst die Unterdrückerin.
Ähnliches Schicksal widerfährt nun Deutschlands prominentestem TV-Clown Jan Böhmermann, der sich immer für einen mutigen Kämpfer gegen den Rechtsruck hielt und sich entsprechend in Szene setzt. Doch jetzt beißen ihn die eigenen Truppen – und die schärfsten Zähne, die ihn zerreißen, sind die der antirassistischen schwarzen Bubble.
In der Tat dürfte es sich um eine der schlimmsten Wochen in Böhmermanns Karriere handeln: Ein seit einem Jahr akribisch geplantes Festival geriet binnen weniger Tage unter die Räder, weil alle Künstler ihre Shows absagten. Und auch das ZDF, das seine Sendung eigentlich gänzlich absetzen wollte und ein Drittel aller geplanten Sendungen strich, steht nun schlecht dar.
Böhmermann, der sich im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) als Kurator einer Reihe zu „politischen, gesellschaftlichen und juristischen Fragen der Gegenwart“ inszenierte, hatte unter anderem den türkischstämmigen Rapper Chefket (Şevket Dirican) für den 7. Oktober – den Jahrestag des Hamas-Angriffs – eingeladen. Doch nachdem NIUS publik machte, dass Chefket (aber auch die ebenfalls gebuchte Rapperin Ebow) Landkarten von Palästina ohne Israel verbreiteten, Texte schrieben, die den „Zionismus“ als „Rassismus“ gleichsetzten, den palästinensischen Widerstand verherrlichten und sich mit Lina E. solidarisierten, reagierte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Das Haus der Kulturen der Welt zeigte im Rahmen der Ausstellung auch eine eingestürzte Freiheitsstatue.
Der CDU-Politiker fragte öffentlich, ob das HKW wirklich Antisemiten eine Bühne bieten wolle. Böhmermann und das Haus der Kulturen der Welt lenken daraufhin ein: Ausladung, Konzert abgesagt. So weit, so gut. Doch in der progressiven Arena ist Kapitulation vor dem „falschen“ Druck eine Todsünde.
Parteipressekonferenzen von Die Linke, CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen











