„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen“, heißt es im Kommunistischen Manifest. Dass eine solche Aussage überhaupt jemals von Menschen geglaubt werden konnte, ist erstaunlich. Dabei spielt es gar keine Rolle, wie der Satz endet. Jeder Satz, der mit „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist“ beginnt, kann nur falsch sein, denn die Geschichte der menschlichen Gesellschaft ist ein riesiger Urwald voller Ereignisse, die sich nicht durch einen einzigen Mechanismus erklären lassen.
Auch wenn es – außerhalb der Grünen Jugend – nur noch wenige Fundamentalmarxisten gibt, die den Glaubenssätzen ihres Stifters wortgetreu folgen, so gilt der Klassenkampf unter den gesellschaftlichen Beobachtern nach wie vor als interpretativer Leitfaden. Das Verhalten der Menschen, insbesondere ihre politischen Sympathien, werden mit ihrer Klasse, ihrer sozialen Situation in Verbindung gebracht.
Daher verwundert es besagte Beobachter, dass Angehörige der amerikanischen Arbeiterschaft einen Mann wie Donald Trump als „One of us“ („einer von uns“) bezeichnen, und fragen: Wie können sich diese Menschen mit einem Milliardär identifizieren? Merkwürdigerweise stellt diese Frage niemand bei einer Musikerin wie Taylor Swift, aber das steht auf einem anderen Blatt. Auch bei der AfD reiben sich Analysten die Augen, sprechen gar, wie Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), von einem „AfD-Paradox“: Die Wirtschaftspolitik der AfD würde Menschen mit geringerem Einkommen benachteiligen, trotzdem würden insbesondere diese Menschen die Partei wählen.
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